Herausgegeben von Ina Hartwig, Ingrid Karsunke und Tilman Spengler. Anders als in vielen Krisengebieten der Welt, wo die Ausübung und Bekämpfung von Gewalt zum Alltag gehören, haben sich die Deutschen an ein verdächtig gewaltfreies Menschenbild gewöhnt. In Erzählungen, im Krimi und auf den Seiten Vermischtes delektiert man sich zwar gern an der Gewalt. Echte Gewalt aber löst eine mentale Schreckstarre aus. Auf der einen Seite erlebt private Gewalt, großteils als bloße Halluzination, eine obszöne und gefährliche Karriere, wie beim sexuellen Missbrauch der Fall. Auf der anderen Seite wird politische Gewalt heute als grundsätzlich verwerflich abgestempelt. Heraus kommt dabei keine gewaltfreie Menschheit, sondern der Verlust des Unterscheidungsvermögens. Rechnen wir besser mit der Gewalt.
Das Kursbuch, diese ehrwürdige Institution aus unvordenklichen 68-er-Tagen hat eine neue Mitherausgeberin, berichtet Brigitte Werneburg zu Beginn ihrer Rezension dieses neuen Exemplars der Zeitschrift. Ina Hartwig, Literaturredakteurin der FR, soll nun den Generationswechsel möglichst bruchlos herbeiführen und steht hier also zum ersten Mal vor den Früchten ihrer Arbeit. Das Thema "Gewalt", erläutert Werneburg, sei noch vor dem 11. September gewählt worden. Das Heft inspiriert sich denn auch nicht am Thema des Terrorismus, sondern an den Steinwürfen Joschkas Fischer, die vor einem Jahr - wer erinnert sich noch? - ein riesiges Debattenthema abgaben. Allerdings scheint das Thema weiter aufgefasst zu werden, denn ausführlich geht Werneburg vor allem auf einen Beitrag des israelischen Militärhistorikers Martin van Creveld ein, der den Niedergang des Militärs mit dem Eindringen der Frauen in die Armeen gekommen sieht - eine These, zu der sich Werneburg ein paar spitze Bemerkungen nicht ersparen kann. Insgesamt aber scheint sie ganz zufrieden mit dem Heft und wünscht sich künftig allenfalls mehr Beiträge von Autorinnen.
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