Gianna Molinari

Hinter der Hecke die Welt

Roman
Cover: Hinter der Hecke die Welt
Aufbau Verlag, Berlin 2023
ISBN 9783351041731
Gebunden, 208 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Ein Dorf hat Angst vor dem Verschwinden. Deshalb trifft es Maßnahmen: Die bei den Touristinnen und Touristen beliebte Hecke wird gehegt und gepflegt, der Stand der Dorfkasse wird regelmäßig überprüft. Vor allem aber kümmert man sich um Pina und Lobo, denn die Kinder sind die Zukunft des Dorfes. Doch Pina und Lobo wachsen schon lange nicht mehr. Während das Dorf auf die Wachstumsschübe der Kinder wartet, beobachtet Pinas Mutter in der Arktis, wie das Eis schmilzt und Grenzen sich verschieben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2023

Extrem konstruiert ist Gianna Molinaris Roman laut Rezensentin Angelika Overath, die von dem Ergebnis zumindest eminent fasziniert ist. Diese Prosa funktioniert, lernen wir, eher über souveräne Setzungen als über einen Abgleich mit der Realität, und eben darin ist sie eventuell modern. Die Figuren leben nebeneinander her, Molinari beschreibt die Muster, so die Rezensentin. Zwei Erzählstränge hat der Roman, führt sie aus, einer dreht sich um die Arktisexpedition einer Forscherin, ein anderer um das Dorf, in dem sie gelebt hat, in das sie aber womöglich nicht zurückkommen wird. Die Arktisepisoden sind einigermaßen konkret, führt Overath aus, die Dorfepisoden hingegen erscheinen abstrakter. Mann und Tochter haben kaum Kontakt zur Mutter, erfahren wir, das Dorfleben ist von ständigem Schwund gekennzeichnet, im Umland ist erst recht nichts los. Lustig ist das oft, gerade in der Gegenüberstellung von Dorf und Arktis, findet Overath, die zu dem Schluss kommt, dass Molinari eine Welt entwirft, in der alles miteinander in Beziehung steht und doch jeder einsam bleibt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 30.09.2023

Rezensent Nico Bleutge erfährt in Gianna Molinaris zweitem Roman eine Welt, die durch die Klimakrise immer mehr zusammenschrumpft. Das Dorf, das im Zentrum steht, ist mittlerweile beinahe unbewohnt, Pina und Lomo sind die einzigen beiden Kinder, die noch da sind, das Problem ist, sie wachsen nicht mehr. Aber ihre Sinne sind hochentwickelt, die verschwindende Umwelt nehmen sie genau wahr. In rhythmisch-poetischer Prosa, erzählt Molinari vom "Fehlenden", zum Beispiel von Tieren, die schon ausgestorben sind. Dem ist ein zweiter Erzählstrang angeknüpft, weiß Bleutge, es geht um Pinas Mutter, die die ebenfalls verschwindenden Gletscher der Arktis erforscht. Die "emphatische Wahrnehmung" stellt Molinari dem menschlichen Herrschaftsstreben gegenüber, bemerkt der Rezensent, und zwar mit Hilfe einer ganz "eigenen poetischen Energie".

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