Alfred Wegener ist ein Getriebener. 1930 bricht er auf, um der Menschheit zu zeigen, dass es möglich ist, am einsamsten Punkt der Erde, im grönländischen Inlandeis, zu überwintern. Aber es gibt Schwierigkeiten - er schafft es nicht mehr zurück zur Küste. Von Wegeners eisigem Grab aus blickt Jo Lendle zurück auf das Leben dieses letzten großen Helden der Polarforschung und verharrt überall dort, wo sich Geschichten darin finden: wie Wegener unfreiwillig einen Rekord aufstellt, indem er 52 Stunden mit einem Heißluftballon in der Luft bleibt, oder wie er von der versammelten Wissenschaftsgemeinde für seine verwegene Theorie der Kontinentaldrift ausgelacht wird, für die er erst drei Jahrzehnte nach seinem Tod Anerkennung findet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2011
Sehr angeregt berichtet Tilman Spreckelsen von der Lektüre dieser Romanbiografie über den Entdecker der "Kontinentaldrift", Alfred Wegener. So instruktiv er die Lektüre schildert, es ist doch ein Roman, der niemals prätendiert, ein authentisches Bild des Forschers zu liefern, versichert der Rezensent, dem ganz besonders gefallen hat, wie Lendle die Bewegung der Kontinentaldrift auch auf andere Verhältnisse überträgt - etwa die Liebe Wegeners zu seiner Frau - ohne sie zu auffälligen Metapher werden zu lassen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.10.2011
Mit großem Interesse hat Rezensent Christian Jostmann Jo Lendles neuen Roman "Alles Land" gelesen, in dem der Autor die Lebensgeschichte des deutschen Polarforschers Alfred Wegeners erzählt. Schon in seiner Kindheit, so berichtet der Kritiker, fiel Wegener durch seine Wissbegierde auf: als Säugling sei er bereits eine Ameisenstraße entlang gekrochen oder habe beim Nägelschneiden von der Mutter die Schöpfungsgeschichte erzählt bekommen. Diese Bilder lasse Lendle wieder auftreten, wenn er letztlich das Erfrieren des Forschers bei seiner vierten Grönland-Expedition schildere. Dazwischen erfährt der Rezensent viel über den intellektuellen Mut Wegeners, der etwa richtungsweisende Hypothesen zur Entstehung der Mondkrater aufstellte. Jostmann lernt hier aber auch einen gelehrten "Sonderling" kennen, der an seiner Nicht-Anerkennung leidet und sich immer mehr von Frau und Kindern entfremdet. Der Kritiker lobt neben dem Einfallsreichtum, mit welchem Lendle über Wegeners Leben schreibe, insbesondere dessen gekonnte Nachahmung des knappen Jargons der spätwilhelminischen Zeit.
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