Gila Lustiger

Die Schuld der anderen

Roman
Cover: Die Schuld der anderen
Berlin Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783827012272
Gebunden, 496 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Zehn Zeilen - mehr hat Marc Rappaport einem 27 Jahre zurückliegenden Prostituiertenmord, der jetzt durch DNA-Abgleich gelöst sein soll, nicht zu widmen gedacht. Und doch will er mehr über die Geschichte der jungen Frau erfahren, die mit 18 aus der Enge ihrer Industriekleinstadt nach Paris floh, um zu studieren, und dort in die Prostitution schlitterte. Dabei stößt er bald auf einen Skandal von schockierendem Ausmaß, der die unlösbaren Verstrickungen von Wirtschaft, Geld und Politik durchscheinen lässt. Was als klassische Ermittlungsgeschichte beginnt, entpuppt sich bald als Gesellschaftsroman über ein ganzes Land und unsere Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2015

Sandra Kegel scheint der Blick von außen bedeutsam, wenn Gila Lustiger, die allerdings seit 30 Jahren in Paris lebt, die kriminellen Verflechtungen von Wirtschaft und Politik in Frankreich literarisch untersucht. Was dabei über die gesellschaftliche Wirklichkeit ans Licht kommt, lässt Kegel ungläubig staunen. Allerdings handelt es sich um einen Krimi. Daher freut sich Kegel auch über die Spannung, die auf den Recherchen der Autorin fußen und auf einem Plot, der auf einen alten Prostituiertenmordfall während der Mitterand-Zeit zurückgreift, um Bestechung, Gewalt und Armut zwischen Frankreichs Eliten und Frankreichs Banlieues auszuleuchten. Eine böse Lektion, findet die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.05.2015

Kristina Maidt-Zinke scheint überzeugt von Gila Lustigers Einstand im Krimigenre. Das Buch gelingt ihrzufolge, weil die Autorin ihr Steckenpferd der jüdischen Identität und ihr Interesse an politisch-ökonomischen Zusammenhängen und moralischen Fragen in einem gesellschaftskritischen, auf einen realen Fall zurückgehenden Krimiplot unterbringen kann, ohne formelhaft zu wirken. Kunststück, meint die Rezensentin respektvoll zu dem Balanceakt zwischen sozialkritischer Doku und Reißer. Und Erotik kommt auch noch vor!

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.04.2015

Jürgen Ritte ist sehr angetan von Gila Lustigers Kriminalroman. Sehr französisch ist das Buch, findet Ritte, weil es hinter vordergründig einfachen gesellschaftlichen Verhältnissen das abgrundtief Dunkle aufspürt, in diesem Fall die kaputten politischen Verhältnisse und einen Wirtschaftsskandal hinter einem lange zurückliegenden Prostituiertenmord. Das Besondere an Lustigers Text ist dabei für Ritte die nie schwarzweiß gefasste Komplexität der Verhältnisse, der Zwänge und Strukturen, die die Autorin en detail versucht abzubilden, wie Ritte meint. So wird das Buch für ihn zum französischen Sittengemälde, das mit seinem Blick auf barbarische Vorgänge hinter der sakrosankten Egalité für Ritte von bedrückender Aktualität ist.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.02.2015

Unterhaltsam und sauber recherchiert findet Dana Buchzik der Roman von Gila Lustiger, die hier erstmals im Krimi-Genre unterwegs ist, wie wir erfahren, und zwar mit Erfolg. Indem die Autorin ihren Journalisten-Ermittler den wahren Fall des Chloracetal einsetzenden Konzerns Adisseo neu aufrollen lässt, erklärt Buchzik, gehe es ihr allerdings nicht um "Detailaufdröselungen", sondern um ein umfassendes Bild der französischen Gesellschaft, insbesondre der Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Politik, sowie um Gewalt und Korruption. Dass Lustiger dafür plastische und facettenreiche Figuren und ein spannender Plot einfallen, scheint Buchzik bemerkenswert.

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