Aus dem Französischen und mit einer Einführung von Emmanuel Alloa. Ingenieure, Architekten, Schachspieler, Dichter und Revolutionäre verbindet eines: Ihre Praxis ist elementar auf Bilder angewiesen. Welche Rolle diese jedoch in der Herausbildung neuen Wissens spielen und worin sich die Findigkeit der Imagination äußert - diesen Fragen geht Gilbert Simondon in seinen wegweisenden Sorbonne-Vorlesungen aus den Jahren 1965/66 nach. Dabei belässt er es nicht bei einer Spurensuche nach der Bedeutung von Bildern für das menschliche Leben, vielmehr fahndet er nach der Verbindung von Bildern und Lebendigkeit überhaupt. So befassen sich die Vorlesungen neben der Logik wissenschaftlicher und künstlerischer Innovationen zunächst mit dem Einsatzort von inneren und äußeren Bildern in biologischen und psychologischen Entwicklungsprozessen. Mit einer Selbstverständlichkeit, die den Zeitgenossen oft suspekt war, stehen bei Simondon individualpsychologische, kulturtechnische und verhaltensbiologische Aspekte gleichberechtigt nebeneinander. Zu Recht als Wegbereiter eines postanthropozentrischen Denkens gehandelt, legt er hier eine Theorie der Bildzyklen vor, die für menschliche und nichtmenschliche Kollektive gleichermaßen gelten soll.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2024
Rezensent Maximilian Gillessen entdeckt den Technikphilosophen Gilbert Simondon in dieser Vorlesung von 1965/66. Was Simondon vorlegt, ist für Gillessen allerdings kein psychologisches Proseminar, sondern eine unkonventionelle Bildtheorie, die den Bogen schlägt zwischen Bildern als unabhängige Entitäten und der bewussten Seite ihrer Hervorbringung durch uns Menschen. Der Autor stützt seine These laut Rezensent mit verhaltensbiologischen Studien über junge Lurche und mit Ausführungen über Abstraktion und Verdichtung "transperzeptiver" Bilder als Stadien der Selbstorganisation. Dass der Autor Referenz vieler Theoretiker werden konnte, versteht Gillessen gut.
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