Wer Fotos von "Zigeunern" betrachtet, knüpft an ein kollektiv geteiltes, vermeintliches Wissen an: Eine jahrhundertealte Ikonographie des "Fremden" macht den "Zigeuner" zur Projektionsfläche für Überlegenheitsfantasien und Angstbilder, aber auch für erotische und exotische Sehnsüchte. Frank Reuter zeichnet die Genese des fotografischen "Zigeuner"-Bildes nach und macht Verbindungslinien zur Kunst und Literatur sichtbar. Dabei nimmt er ganz unterschiedliche Medien und Formate in den Blick: vom Schulbuch bis zur Bildpostkarte, vom populären Magazin über das Propagandafoto bis zum privaten Schnappschuss von der Front.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.12.2014
Der Herausforderung, den Bann über Sinti und Roma zu lösen, wird der Autor laut Ulrich Kronauer gerecht. Frank Reuters Studie über die fotografische Erschaffung des "Zigeuners" findet Kronauer höchst informativ. Die Entstehungsgeschichte des "Zigeuner"-Bildes, seine Emotionalisierung und die Verbreitung durch Massenkommunikation belegt ihm der Autor. Zudem referiert er den aktuellen Forschungsstand zu den wirksamen Stereotypen in Literatur, Kunst und Geschichte und erarbeitet die Instrumentalisierung der Mittel durch die Nazis. Dass die in der Propaganda des Nationalsozialismus genutzten Bilder auch nach dem Krieg wirkungsmächtig blieben, vermag ihm der Autor ebenfalls zu vermitteln. Am Ende ist der Rezensent froh, im Band auch Fotos zu finden, die Sinti und Roma als selbstbewusste Persönlichkeiten zeigen.
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