Philipp Schönthaler

Die Automatisierung des Schreibens

& Gegenprogramme der Literatur
Cover: Die Automatisierung des Schreibens
Matthes und Seitz, Berlin 2022
ISBN 9783751803410
Gebunden, 575 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Experimente mit computergenerierten Texten sorgen zunächst für Erstaunen, um dann zu beruhigtem Abwinken zu verleiten: Gute Romane, heißt es, schreibt der Computer (noch) nicht. Doch vor dem Hintergrund des Siegeszugs der Künstlichen Intelligenz gerät die Geschichte der Mechanisierung des Schreibens in den Blick. Wie sich Schreiben und Programmieren zueinander verhalten, rekonstruiert Philipp Schönthaler in dieser groß angelegten Studie. Sein überraschender Gang durch die Geschichte der Literatur eröffnet der gegenwärtigen Diskussion einen faszinierenden Tiefenraum, der Alarmismen wie Heilsversprechen fraglich werden lässt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts übersetzen die europäischen Avantgarden die Produktionsweisen der Industriellen Revolution in neue Schreibtechniken und legen damit den Grundstein für eine Literatur aus dem Geist des Computers. Doch Computer und Kybernetik spalten bereits das Feld der Neo-Avantgarden. Gleichzeitig mit den ersten an Rechenanlagen erzeugten Texten entwickeln sie Schreibweisen einer nichtprogrammierbaren Literatur. Sie machen deutlich, dass Schreiben und Programmieren an unterschiedliche Selbstbestimmungen und Modi der Welterschließung anknüpfen. Angesichts der Automatisierung als globalem Prinzip zeigt "Die Automatisierung des Schreibens" Literatur als Gegenentwurf zu einer algorithmisch modellierbaren Realität, der scheinbar keine Grenzen gesetzt sind. Der Herausforderung stellen kann sich das literarische Schreiben aber nur, wenn es sich auf die Allgegenwart des Digitalen einlässt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.01.2022

Für "Menschen, die es genau wissen wollen", ist Philipp Schönthalers Buch geschrieben, meint Rezensent Frank Kaspar. In der groß angelegten Studie geht der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler den Stufen der Technisierung des Schreibprozesses nach, von den Avantgarden des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, die sich am Rhythmus der Maschinen orientierten, bis hin zu Georges Perec, der einen Computer Goethes "Wanderers Nachtlied" weiterschreiben ließ. Dabei gehe Schönthaler "pointiert", "hoch verdichtet" und auch sehr detailliert vor, wie ein 100-seitiges Anmerkungs- und Quellenverzeichnis zeigt, lobt Kaspar. Ein "anregendes" Buch über die Vorgeschichte der kybernetischen Utopie einer gerechteren Gesellschaft, schließt er.

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