Das Buch nimmt die grundlegenden Wertekonflikte im Umgang mit dem Menschenversuch systematisch in den Blick und erarbeitet verschiedene Modelle ihrer Lösung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Problematik der Forschung speziell an nicht einwilligungsfähigen Personen. Hier werden verschiedene ethische Argumente diskutiert, um zu erörtern, ob Studien auch dann ethisch gerechtfertigt erscheinen, wenn kein therapeutischer Nutzen vorliegt. Im zweiten Teil der Arbeit wird auf der Basis dieser philosophischen Ergebnisse am Beispiel Frankreich gefragt, inwieweit bestimmte normative Überzeugungen und Argumente vom sozialen, historischen und kulturellen Kontext abhängen, in dem sie diskutiert werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.06.2003
Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union steuern die Harmonisierung ihrer Gesetze an. Auf dem Gebiet der Menschenforschung ist sie davon aber noch meilenweit entfernt. So kommt es zu dem Paradox, dass in einem Land bestimmte Studien verboten sind, die dann aber in einem anderen Land durchgeführt werden. Dies führe zwangsläufig zu einem Forschungskolonialismus, meint Markus Hofmann, denn, "in einer solchen Welt liefert der eine (arme) Staat die Probanden, der andere (reiche) zieht den Nutzen." Die Grenze zwischen ethisch erlaubten und unerlaubten Humanexperimenten ist jedoch nicht eindeutig festlegbar. Sie ist historischen und kulturellen Bedingungen abhängig, meint Hofmann und sieht sich darin von dem vorliegenden Buch bestätigt. Im Vergleich zwischen der französischen und der deutschen Bioethik-Debatte sei es dem Autoren gelungen, die Andersartigkeit der Diskussion darzustellen. Giovanni Maio gehe das Problem sehr Pragmatisch an, indem er nicht etwa unumstößliche Regeln fordere, sondern sich um einen "globalen ethischen Minimalkonsens bemühe". Für fragwürdig hält Hofmann allerdings Maios Forderung, Ärzte sollten, bei Patienten, die unfähig sind, eine Zustimmung zu Experimenten zu geben, darüber entscheiden, ob die damit verbundene Belastung gering ist und das Experiment damit durchgeführt werden soll. Denn, meint Hofmann, Belastung mag objektiv zu beurteilen sein, der Schmerz sei es nicht.
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