Aus dem Italienischen von Felix Gasbarra. Überarbeitet und mit Nachwort und Zeittafel herausgegeben von Ute Stempel. "Marianna Sirca" (1915) erzählt von der leidenschaftlichen Liebe zwischen einer jungen Frau aus wohlhabender Familie und dem stolzen Banditen Simone Sole. "Wie ein Vogel aus dem Käfig" gelangt Marianna aus dem Haus ihres reichen Onkels in die rauhe Bergwelt Sardiniens. Dort trifft sie den ehemaligen Diener ihres Vaters, der als Outlaw und Rebell gegen die Armut der sardischen Unterschicht kämpft. Simone ist der erste Mann, der sie begehrt. Mit einer Unbedingtheit, die alle Hindernisse und sozialen Schranken kühn überschreitet, gibt Marianna sich seiner Liebe hin. Simone aber hält der Kompromisslosigkeit dieser Frau bald nicht mehr stand.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2005
"Zeitlos" und "archaisch" muten Wilfried Wehle die Romane der italienischen Schriftstellerin Grazia Deledda ein, die früh, im Jahr 1926, den Nobelpreis für Literatur erhielt. Das Komitee verwendet in seiner Urteilsbegründung gar Prädikate wie "alttestamentlich" und "homerisch", bemerkt der Rezensent. Schon damals wirkten ihre Bücher "wie aus einer anderen Welt", vermutet Wehle, was vor allem daran liegt, dass ihre Romane alle in der abgelegenen Bergwelt ihrer Heimat, auf Sardinien, spielen. Der Roman "Marianna Sirca" stammt aus dem Jahr 1915, er wurde jetzt neu übersetzt. Der Rezensent hält das Buch für einen der berührendsten Romane der Deledda. Er erzählt eine Liebesgeschichte zwischen einer wohlhabenden jungen Frau und einem Banditen, eine Geschichte von Blut und Boden, aber vor allem, findet Wehle, erzählt er vom Scheitern einer Liebesbeziehung, die sich einerseits über die sozialen Vorurteile hinwegsetzt und andererseits genau in diesen steckenbleibt. "Die Liebe", formuliert Wehle sehr schön, "bringt zwar etwas in Bewegung, ist aber selbst nicht die Lösung".
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