Im Senat wie vor Gericht riss Cicero die Zuhörer durch sein Pathos mit. Gleichzeitig war er ein kühler Analytiker der Rhetorik. In seinen theoretischen Schriften formuliert er, was einen idealen Redner ausmacht. Darum geht es in dem fiktiven Dialog "De oratore". In Ciceros Landhaus in Tusculum versammeln sich die bedeutendsten Redner seiner Zeit zum Gespräch. Hier werden die Elemente der Redekunst untersucht: Von der Auffindung des Argumentationsmaterials (inventio) bis zu Schönheit (ornatus) und Angemessenheit (aptium).
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2007
Hans-Albrecht Koch begrüßt diese Neuübersetzung von Ciceros Werk über den Redner, das er als eines der "Grundbücher europäischer Bildung" würdigt. Für Koch bringt dieses Lehrbuch der Rhetorik dem Leser die beiden Hauptredearten, die Gerichtsrede und die politische Rede, dank seiner Dialogform durchaus lebendig näher, wobei es ebenso ausführlich die kanonischen Teile der Rede - Auffindung des Stoffes, Gliederung, Auswendiglernen, sprachliche Gestaltung und Vortrag - erläutert wie die Wissensbasis, das bürgerliche Recht. Die deutsche Übersetzung von Theodor Nüsslein scheint Koch sehr gelungen. Sie löse die langen lateinische Perioden in mehrere deutsche Sätze auf und halte glücklich die Mitte zwischen Distanz und Aneignung. Lobend äußert er sich zudem über die eingehende Kommentierung, die das Werk dem heutigen Leser bestens erschließt.
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