"Deutsche gelten als dick, plump und unelegant. Die Männer geben ihre nationale Zugehörigkeit mehr oder weniger freiwillig durch weiße Socken in Sandalen preis; Frauen lassen sich dagegen an unrasierten Beinen und vernünftigem Schuhwerk erkennen. Deutsche reden nur dann mit Unbekannten, wenn sie sie auf etwas hinweisen oder ermahnen wollen, und speziell die Männer lieben ihre Autos sowie die freie Fahrt auf den Autobahnen und trinken Unmengen an Bier." Sind wir so? Ist das unser Alltag? Eine Gruppe von Kulturwissenschaftlerinnen ist dieser Frage nachgegangen und hat eine Fülle von erhellenden - und manchmal auch erheiternden - Fakten zusammengetragen. Diese werden einerseits in den geschichtlichen, andererseits in den europäischen Kontext gestellt und geben so bei aller Vergnüglichkeit einen fundierten Einblick in den deutschen Alltag vom Bauchnabel-Piercing bis zur Leitkultur-Debatte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2005
Wie schütteln sich Deutsche die Hand? Die Antworten von ein paar Volkskundlerinnen auf diese und ähnliche Fragen findet Rezensent Oliver Maria Schmitt eher fade, nicht überzeugend. Vieles empfindet er als Binsenwahrheiten (Socken tragende Deutsche im Ausland), anderes als überholt (politische Aufkleber auf dem Auto) - und das meiste vor allem aus der Sekundärliteratur abgeschrieben. Auf eigene Fragestellungen wären die Autorinnen nicht verfallen, moniert Schmitt: Warum die Deutschen so über ihre Rechtschreibung zerstritten sind, warum sie die hässlichsten Dörfer haben - Schmitt fallen auf Anhieb mehrere spannende Fragestellungen ein. Doch da müssten die Autorinnen interpretatorisch tätig werden, spottet der Rezensent, und noch dazu auf wissenschaftlich noch nicht erforschtes und abgesichertes Terrain begeben.
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