Mit Fotos von Rüdiger Südhoff. Die Mark Brandenburg wird für Günter de Bruyn gerade ihrer Melancholie wegen zu seiner Sehnsuchtslandschaft, zu der er sich in liebevoller Treue bekennt. Zufluchtsort und eine Art Exil im Staat der DDR wird ihm vor allem der entlegene Flecken Görsdorf, den er 1967 mit einem beglückenden Gefühl des Zusammengehörens als seinen Lebensort für sich entdeckt. "Abseits" beschreibt eine Annäherung: hier kommt keiner daher und ergreift Besitz, sondern es bemüht sich jemand um einen Ort, erkundet ihn und seine Geschichte, geht seinen Spuren und Traditionen nach und bringt Namen, alte Urkunden zum Sprechen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2005
Günter de Bruyn lebt in einer eigentlich unspektakulären Gegend südlich von Frankfurt/ Oder, wo die "Dörfer noch Dörfer heißen" und "Abseits" der alten preußisch-polnischen Handelswege liegen, stellt Beatrix Langner Günter de Bruyns "Liebeserklärung an eine Landschaft" vor. De Bruyn erweist sich als gewissenhafter Chronist seiner Gegend, des östlichen Brandenburg, lobt Langner, darin Theodor Fontane gleich. Er sei bedächtig, das heißt zu Fuß unterwegs, inspiziere dabei die Geographie und Geschichte dieser Landschaft, in der ihm auffallend wenige Menschen begegneten. Um so lebendiger berichte de Bruyn dafür von den Menschen früher, betont die Rezensentin, lasse alte Texte von den ersten Ansiedlungen vor achthundert Jahren und von der Ablösung des Wendischen durch das Hochdeutsche berichten; das Regionalgeschichtliche wiederum werde ergänzt durch jüngere politische Zeitgeschichte, in der Zeitzeugen eindrucksvoll vom Kriegsende erzählten. Als de Bruyn zu DDR-Zeiten auf sein Anwesen gezogen ist, mag es ihm als eine Trutzburg gegen die Staatskontrolleure, als alternative Lebensform erstrebenswert gewesen sein, vermutet Langner; inzwischen habe sich die Gegend seiner völlig bemächtigt, von der er glaubhaft und mit Liebe erzähle.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.05.2005
"Überraschende Schönheit" ist Verena Auffermann Günter de Bruyns Liebeserklärung an die Mark Brandenburg. Dabei schreibe er nie schwärmerisch, versichert Auffermann, immer diskret und in "schönster Sprödigkeit": von den merkwürdigen Wettern zwischen Schwieloch- und Scharmützelsee, von meist schmucklosen, aber immer verschlossenen Kirchen und all den neuen leerstehenden "Ackerbürgerhäusern", von "Sand, Einsamkeit und Stille". Sanfte Kritik lässt Auffermann nur anklingen, wenn es um Brandeburgs wirtschaftlich prekäre Lage gehe, die de Bruyn "nur mit kurzen Blick" streife. Aber eigentlich will sie ihn nur dafür loben, dass er dieser "verborgenen Landschaft" ein Geschichtsbuch vermacht hat.
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