Die Idee des musikalischen Kunstwerks bildet den Fluchtpunkt, der den Bereich der Musik in seinem ästhetischen Eigensinn erschließt. Selbst jene musikalischen Formen, die keine Werkgestalt besitzen wollen, stehen, sofern sie überhaupt Kunst zu sein beanspruchen, noch in Beziehung zu ihr. Gunnar Hindrichs widmet sich in seinem faszinierenden Buch der Artikulation dieser Idee. In enger Tuchfühlung sowohl mit der europäischen Musik von der Gregorianik bis zum Komplexismus als auch mit der philosophischen Ästhetik und Metaphysik entwickelt er sechs Grundbegriffe, die das musikalische Kunstwerk ausmachen: Material, Klang, Zeit, Raum, Sinn und Gedanke. Zusammen ergeben sie eine Ontologie des Musikwerks aus der Perspektive der ästhetischen Vernunft.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.01.2015
Mit Gunnar Hindrichs "Autonomie des Klangs" hat Rezensent Günter Figal ein Ausnahmebuch gelesen. Allein Hindrichs Ansatz, die Musik auf ihre Eigengesetzlichkeit hin zu untersuchen, hat den Kritiker tief beeindruckt. Er lernt von dem Professor für Philosophie, der im Wesentlichen europäische Musik von Monteverdi und Bach bis Spahlinger und Mahnkopf untersucht, dass die Kunst ihre Wahrheit nicht im Scheitern ihrer "tonsystematischen Ordnung" erweisen muss und Epochenumbrüche eher flach zu betrachten seien. Brillant, wie Hindrichs gelassen, aber umsichtig die "Ontologie" der Musik beschreibt und sich schließlich dem "musikalischen Gedanken" nähert, meint der Rezensent, der auch seinem Ansatz, die "phänomenologische Herangehensweise" zu verwerfen, gut folgen kann. Nicht zuletzt gerät Figal dieses lehrreiche und originär philosophische Buch auch zur Suche nach dem "verlorenen Klang".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2014
Mit einer kenntnisreichen Besprechung würdigt Rezensent Laurenz Lütteken Gunnar Hinrichs neues Buch "Die Autonomie des Klangs". Allerdings muss der Kritiker bald feststellen, dass er hier weniger "Eine Philosophie der Musik", sondern vielmehr "die Philosophie einer Musik" in den Händen hält. Zwar gelinge es Hinrichs präzise Grundbegriffe der Musik zu benennen, doch allein die Auseinandersetzung mit Adornos Musiktheorie bereitet dem Kritiker Magenschmerzen: Hinrichs äußere auf der einen Seite Kritik an Adornos Material- und Werkbegriff, schaffe es aber dennoch nicht, sich von diesem zu distanzieren. Durch die damit einhergehende einseitige Perspektive auf einen nur speziellen Musikbegriff, bilde Hinrichs nicht nur einen "begrenzten Ausschnitt" der musikalischen Wirklichkeit ab, sondern verzerre auch den Blick auf die Musikgeschichte, glaubt der Rezensent. Dass der Autor darüber hinaus wichtige Tendenzen der Musiktheorie übergeht, um seine Annahmen nicht in Zweifel ziehen zu müssen, nimmt der Kritiker ihm wirklich übel.
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