Aus dem Französischen von Kai Wilksen. Mehr als ein Jahr lebte Guy Delisle mit seiner Familie im südostasiatischen Birma, das offiziell eigentlich Myanmar heißt. Während seine Frau dort für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen arbeitet, erfährt Guy Delisle die politische und soziale Realität des von einer geächteten Militärjunta beherrschten Landes. Als er die Gelegenheit erhält, birmesischen Künstlern Unterricht in Trickfilmanimation zu geben, erschließt sich ihm ein ganz persönlicher Einblick in das Leben und Leiden der einfachen Bevölkerung. Auf fast dreihundert Seiten entstehen so Aufzeichnungen aus einem familiären Mikro- und einem birmesischen Makrokosmos. Nach "Shenzen" und "Pjönjang" ist "Aufzeichnungen aus Birma" der dritte autobiografische Reisebericht des in Frankreich lebenden Kanadiers über ein ostasiatisches Land. Ob China, Nordkorea oder Birma: Guy Delisle versteht es meisterhaft zu beobachten, ohne zu bewerten. So entsteht ein sehr persönliches Bild eines Landes, welches für kurze Zeit vor allem aufgrund der brutalen Gewalt gegenüber friedlich demonstrierenden Mönchen ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gerückt ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.07.2009
Einen "seltenen Glücksfall" nennt Rezensent Thomas von Steinaecker die "Aufzeichnungen aus Birma", in denen der Franco-Kanadier Guy Delisle von den Alltagsschwierigkeiten eines Europäers in einer Militärdiktatur erzählt. Er selbst war dort quasi im Erziehungsurlaub mit seiner Frau, die in Birma für die "Ärzte ohne Grenzen" arbeitete. Diese Persepktive auf das Land prägt auch den Comic. Nie, meint Steinaecker, gehe Delisle auf einen journalistischen Konfrontationskurs, sondern berichte vielmehr von den Misslichkeiten eines jungen Vaters in einem vom Militär beherrschten Alltag. Der episodenhafte Erzählstil und die minimalistischen Darstellungen ergeben für Steinaecker dabei eine "poetische Ironie", die dem Hintergrund der Erzählung nie das Bedrückende nehmen.
Rezensent Christoph Haas zeigt sich sehr eingenommen von Guy Delisles Comic-Reportage "Aufzeichnungen aus Birma", nach "Shenzen" und "Pjöngjang" über China und Nordkorea das jüngste Werk des kanadischen Zeichners. Er würdigt Delisle, der seine für "Ärzte ohne Grenzen" tätige Frau immer wieder nach Asien begleitet, als "Ostasien-Experten der internationalen Comic-Szene". Neben der Offenheit für alle möglichen Eindrücke, für Politisches wie Kulinarisches, schätzt er Delisles Talent, Details zu finden, die das Ganze erhellen. Die bedrückenden Erfahrungen einer Diktatur sieht Haas in Delisles Comics ebenso thematisiert wie ihre kuriosen Seiten. Zudem betont er, dass - im Unterschied zur Fotoreportage - der Autor und seine jeweilige Situation in der Comic-Reportage sichtbar sei: "das sensible Ich und die weite, schöne, schreckliche Welt". Besonders gefällt Haas der Zeichenstil Delisles, der sich von Band zu Band verändere. In "Aufzeichnungen aus Birma" dominieren, wie er schreibt, "deutliche Schwarz-Weiß-Kontraste, viel Weiß, feine Linien und saubere Schatten". Der Leser erfährt etwas über "die Welt hinter den Schlagzeilen", lobt Haas.
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