Für den Bruchteil einer Sekunde
Das bewegte Leben von Eadweard Muybridge

Reprodukt Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783956404603
Gebunden, 208 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock. 1855 wandert der junge Engländer Eadweard Muybridge nach Kalifornien aus. Er begeistert sich für ein technisches Verfahren, das damals noch in den Kinderschuhen steckt: die Fotografie. Mit finanzieller Unterstützung des Eisenbahn- Unternehmers Leland Stanford, einer der reichsten Männer der Vereinigten Staaten, gelingt ihm zuvor Unerreichtes - er hält den Lauf eines galoppierenden Pferdes auf Film fest und kann so belegen, dass im vollen Galopp kurzfristig keiner der vier Hufe eines Pferdes den Boden berührt. Lange vor Thomas Alva Edison und den Brüdern Lumière hat Eadweard Muybridge mittels Film die Zeit angehalten; er wurde zu einem der berühmtesten Fotografen seiner Epoche.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 05.08.2025
Ein interessantes und eindrucksvolles Porträt eines Pioniers der Fotografie hält Rezensent Ralph Trommer hier in Händen: In seiner Comicbiografie widmet sich Guy Delisle dem amerikanischen Fotografen Eadweard Muybridge, der mit seiner 360-Grad-Panoramaaufnahme von San Francisco und seinen Aufnahmen aus dem Modoc-Krieg in Oregon, einem brutalen Konflikt zwischen Indigenen und Europäern, sowohl der Landschafts - als auch der Kriegsfotografie Vorschub leistete. Durch den wichtigen Politiker Leland Stanford kam Muybridge zur Tierfotografie, erzählt der Kritiker. Stanford wollte wissen, ob seine Rennpferde beim Galoppieren den Boden berührten oder nicht - und nach etlichen Versuchen gelang seinem Fotografen dann im Jahr 1878 die heute weltberühmte Bewegungsstudie von Stanfords Pferd "Sallie Gardner". Der Kritiker erinnert an eine weitere, weniger glorreiche Episode aus Muybridges Leben: 1874 wurde er des Mordes am Liebhaber seiner Frau angeklagt, den Moment des Mordes zeichne Delisle auf einer Doppelseite, so der Kritiker, die geradezu "filmischen" Charakter habe. Nicht nur erfährt der beeindruckte Kritiker Wissenswertes über dieses außergewöhnliche Leben, er erhält auch Einblicke in die damaligen "Erfinderkreise", die von Delisle geschickt persifliert werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.07.2025
Viel anfangen kann Rezensent Fritz Göttler mit Guy Delisles Comic, der sich mit dem Leben Eadweard Muybridges auseinandersetzt. Muybridge war, in England geboren, später in den USA lebend, ein bekannter Fotograf des 19. Jahrhunderts, sein Nachruhm gründet jedoch auf der Erfindung des Zoopraxiskops, das die Serienfotografie ermöglichte und damit eine wichtige Vorarbeit zur Erfindung des Kinos leistete, informiert uns der Kritiker. Delisle erzählt nach, wie Muybridge diese Erfindung gelang: Auftraggeber war Leland Stanford, ein Tycoon mit Interesse an Pferdezucht, die entscheidende Frage lautete: "Gibt es im Pferdegalopp einen Moment, in dem alle vier Beine des Tieres sich vom Boden lösen?" Ja, den gibt es, lernt Göttler aus Delisles Comic. Auch grafisch ist der Kritiker angetan: Die Geradlinigkeit, mitunter "emblematische" Manier, in der Delisle seine Figuren skizziert - allen voran Mybridge, der im Übrigen auch den Liebhaber seiner Frau erschoss, gefällt dem Kritiker: Ein schöner Comic, der die Zeit ebenso geschickt auseinandernimmt und wieder zusammensetzt, wie Muybridge dies tat.