Herausgegeben von Stefan Böschen, Michael Schneider und Anton Lerf. Mit der Zunahme von Wissen wächst auch das Nichtwissen. Das Buch bietet eine Bestandsaufnahme und interdisziplinäre Annäherung an dieses ebenso zentrale wie schillernde Thema: Es verschwimmen nicht nur die Grenzen zwischen Wissen und Nichtwissen, längst hängt auch die Unterscheidung von Machtverhältnissen und Deutungshoheiten ab. Anhand von Fallstudien aus politischer und industrieller Praxis, wie Umweltchemie, Klimaforschung, Nanotechnologie, Genforschung und dem Thema BSE, wird dargestellt, wie Nichtwissen jeweils wahrgenommen, definiert, bestritten oder strategisch eingesetzt wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2005
Etwas ambivalent zeigt sich Rezensent Michael Pawlik bei seiner Beurteilung dieses Bandes. Einerseits sieht er darin ein "höchst nützliches Buch, in dem für jeden Wißbegierigen etwas drinsteht". Andererseits steht er der Auffassung der Herausgeber skeptisch gegenüber, die Wissenschaftsgemeinde dazu auffordern, sich von "expertokratischen Mustern" ab- und einer Haltung "reflexiver Forschung" zuzuwenden. Eigenheit "reflexiver Forschung" sei, so zitiert Pawlik die Herausgeber, dass sie "gezielt Laien, aber auch 'Seiteneinsteiger' und 'Querdenker'" an den forschungspolitischen Weichenstellungen beteilige. Dagegen regt sich Pawliks Widerspruch, kann er doch hier keine Antwort auf den schwierigen Umgang mit überkomplexen Systemen erkennen. Statt um eine Überwindung der "Expertokratie" könne es allenfalls um den Versuch einer Erschließung zusätzlichen Expertenwissens gehen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2005
Je gründlicher die Welt erforscht wird, schreibt der "L. H." zeichnende Rezensent, umso deutlicher treten die Grenzen unseres Wissens zutage: Wo beginnt das menschliche Leben? Wie funktioniert unser Gehirn? Wer trägt die Schuld am BSE-Skandal? So sieht der Rezensent Ratlosigkeit und Verunsicherung um sich greifen, auf die der Band "Handeln trotz Nichtwissen" mit "klugen Selbstreflexionen" und "hilfreichen Fallstudien" aus der Umweltchemie, Genforschung und Nanotechnologie reagiert. Dabei werde deutlich, zitiert er die Herausgeber, "dass die Unterscheidung von Wissen und Nichtwissen nicht mehr allein eine kognitive Angelegenheit ist, sondern längst auch eine soziale, also abhängig von der ökonomischen, politischen oder kulturellen Macht der Verhältnisse". Daher forderten die Herausgeber eine "Politik des (Nicht-)Wissens", die institutionelle Lernprozesse in Gang setze und dafür sorge, dass durch Leitbilder und Rahmenordnungen die Risiken wissenschaftlicher Forschung kontrollierbarer werden. Der Band ende mit einem Plädoyer für die "Besinnung" (Heidegger), die den "Raum der eigenen Ziele" in Frage stellen müsse, um für die Zukunft wieder sicheren Boden zum Handeln zu gewinnen.
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