Der Staatssekretär im Reichsministerium des Innern Wilhelm Stuckart (1902-1953) war einer der wichtigsten juristischen Interpreten und Legitimatoren des NS-Staates. Als Mit-Autor der Nürnberger Rassegesetze goss er dessen biologistische Grundlagen in Gesetze und begleitete später die Vorbereitungen zum Genozid. Im Frühjahr 1942 vertrat er auf der Endlösungskonferenz am Wannsee sein Ressort. Nach dem Krieg gehörte Stuckart zu den Schöpfern der Legende von der "sauberen Verwaltung", die sich den rassistischen Ansprüchen der NS-Machthaber widersetzt habe. Die biographische Auseinandersetzung mit Stuckart belegt nicht nur die prägende Funktion von führenden Juristen in der NS-Verwaltung, sie untersucht auch die Rolle der Innenverwaltung und ihre Mitwirkung am Genozid.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2012
Charlotte Jahnz scheint diese Buch des Juristen und langjährigen Mitarbeiters der Gedenkstätte Wannsee-Konferenz, Hans-Christian Jasch gut zu gefallen. Dass der Autor einmal mehr aufräumt mit dem Mythos des sauberen Beamten im NS-Staat, indem er das Reichsinnenministerium zwischen 1933 und 1945 in den Fokus der Betrachtung rückt und besonders die Person des Staatssekretärs Wilhelm Stuckart, hält Jahnz nur für billig. Im Verlauf der Lektüre erkennt sie nicht nur, wie sehr die Nationalsozialisten auf die Eigeninitiative williger Beamten angewiesen waren, sondern auch, dass Stuckart maßgeblich am Entwurf der Rassegesetze beteiligt gewesen ist. Dass er dafür kaum je zur Verantwortung gezogen wurde, schmerzt umso mehr.
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