In Wien, wo die politische Lage oftmals hoffnungslos, aber niemals ernst ist, wo das Begräbnis nach Klassen organisiert, die Friedhofsordnung eine vorauseilende Sortierung für das Jüngste Gericht vornimmt und die Geschichte ihre Leichen im Keller zurückläßt, findet sich immer auch das gemütliche Wirtshaus zur letzten Einkehr gleich um die nächste Ecke. Dieses morbide Wien also - geeignete Versuchsstation für den Weltuntergang, wie dies Karl Kraus vermeinte, oder Alfred Polgar zufolge lediglich ein "fideles Grab an der Donau" - steht im Mittelpunkt des Versuchs einer mentalen Ortsbestimmung und Stadtbeschreibung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.07.2001
Lobpreisungen zu Städten wie Wien gibt es viele. Dieses ungewöhnliche Wien-Buch aber, findet "haj", ist mindestens so realitätsnah wie alle andern auch. Historisch genau, dabei feuilletonistisch locker geschrieben und mit einem Sinn für das Makabre und Bizarre durchdringt der Band "völkerpsychologisch" (so steht's geschrieben) aufschlussreiche Züge des Wienerischen. Den roten bzw. schwarzen Faden des Themas Tod hat Rezensent "haj" verfolgt, von der Vergegenwärtigung von Kriminalität und Richtstätten bis hin zu Ausführungen über Nestroys Angst vor dem Scheintod.
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