Hansjörg Schertenleib

Der Papierkönig

Roman
Cover: Der Papierkönig
Aufbau Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783351029807
Gebunden, 343 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Der Journalist Reto Zumbach ist einem Verbrechen auf der Spur: Daniel Kienast, Torhüter der Schweizer Fußballnationalmannschaft, ist während einer Urlaubsreise durch Irland ums Leben gekommen. Sein Mörder, der Papierfabrikant Richard Kolk, hatteKienasts Freundin Nathalie sechs Tage lang gefangengehalten, denn er wollte ihre Liebe. Zumbach wiederholt die Reise des Paares, fährt von Schauplatz zu Schauplatz und versucht, die Tragödie nachzuempfinden, aus der er ein Buch machen möchte. Seine Spurensuche gerät ihm bald zur schmerzlichen Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit. Viel zu spät begreift er, dass er in eine Geschichte gerät, die sich wie eine Folie über die Story legen lässt, an der er schreibt...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2003

Wieder mal ein von sich selbst und von der Freundin enttäuschter Intellektueller, ein Versagertyp als Held eines Romans - muss das sein, fragt Martin Krumbholz. Nicht wirklich, lautet seine Antwort. Er empfiehlt eine Verfilmung des Stoffes vom "Papierkönig" - einem irischen Papierfabrikanten, der vor Jahren einen Fußballer und seine Freundin entführt hat, und auf dessen Fährte sich jener Journalist begibt, der unablässig "an seiner Selbstabschaffung arbeitet". Die Verfilmung hätte den Vorteil, meint Krumbholz, dass sich die ganze sentimentale Schicht und Innensicht von der Kamera nicht erfassen ließe; übrig bliebe dann der kriminalistische Plot um die Entführung, den Hansjörg Schertenleib tatsächlich mit einigem handwerklichen Geschick durchführe. Dem Autor gelinge es durchaus, gesteht der Rezensent zu, den Leser neugierig zu machen. Auf die Dauer würde jedoch klar, dass die Balance zwischen Innen- und Außenwelt nicht stimme. Die Innenwelt des traurigen Helden habe eindeutig Vorrang, während die weiteren Hauptfiguren - wie etwa der Papierfabrikant, der eigentlich die spannendere Figur sei - psychologisch nicht glaubhaft würden. Aber die Innenwelt eines Menschen interessiert nur dann, behauptet Krumbholz entschlossen, solange sie "mit der Außenwelt signifikant kurzgeschlossen wird".
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