Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2001
Harald Welzer hat vieles - und seine Kritik klingt begründet - an diesem Band auszusetzen. Er beginnt gleich mit dem Titel, der seiner Meinung nach falsche Erwartungen weckt, da hier keine Täterbiografien, sondern institutionelle Prozesse in der NS-Zeit abgehandelt würden. Beachtenswert findet Welzer immerhin die Beiträge von Armin Nolzen zur HJ-Jugend, von Nagel/ Osterloh zu den Wachmannschaften in Kriegsgefangenenlagern sowie von Sandkühler zum Zollgrenzschutz. Völlig unklar, was denn nun das NS-Spezifische seines Handelns ausgemacht habe, bleibt für ihn hingegen Friedrich Hilbles Beitrag über einen Münchener Wohlfahrtsbeamten. Insgesamt vermisst Welzer methodologische Reflektionsbereitschaft, interdisziplinäre Ansätze und eigene Fragestellungen der Autoren an das historische Material. Welzer beschleicht der Verdacht, die jungen Autoren operierten mit dem - außerdem falsch verstandenen - Label "dichte Beschreibung", um das Fehlen einer methodischen Hinterfragung der Befunde und sozialen Interaktionsprozesse zu verdecken.
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