Aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner. Im London der Neunzigerjahre war Jay einer der vielversprechendsten jungen Künstler. Heute hat er keinen festen Wohnsitz, er schläft in seinem Auto und liefert Lebensmittel in Upstate New York aus. Die Pandemie ist in ihrer Hochphase, jeder ist verunsichert und hat Angst. Jay muss eine Lieferung zu einem riesigen, mit einem ausgeklügelten Alarmsystem gesicherten Anwesen bringen, das mitten im Wald liegt. Als sich die Tür öffnet, steht ihm eine Frau gegenüber, die einst spurlos aus seinem Leben verschwand … Vor über zwanzig Jahren hatten Jay und Alice eine stürmische, selbstzerstörerische Beziehung, bis Alice mit seinem besten Freund Rob durchbrannte, der später in New York zum gefeierten Kunststar aufsteigt. Trotz Schutzmaske und seines desolaten Zustands erkennt Alice Jay sofort und lädt ihn ein, eine Zeit lang auf dem Anwesen Zuflucht zu suchen, zusammen mit Rob und einem befreundeten Paar. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht einfach ausblenden, und die Situation läuft langsam, aber sicher aus dem Ruder...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2024
"Einen extraordinären Künstlerroman" hat Hari Kunzru geschrieben, bekundet Rezensentin Rose-Maria Gropp: Im Zentrum steht der Protagonist Jay, der nach einer Corona-Infektion Job und Bleibe verloren hat und nun für einen Lieferdienst arbeitet. Eigentlich ist er aber Künstler und als er ein Anwesen beliefert, trifft er auf seine Verflossene und alte Bekannte aus der Kunstszene. Anlass für Jay, sich an vergangene Zeiten und Konflikte zu erinnern, so Gropp. Eine besondere Volte ist für sie die Behauptung des Protagonisten, gerade diese zwanzig Jahre außerhalb der Kunstszene seien sein größter künstlerischer Triumph gewesen. Eine aufschlussreiche und spannende Parabel auf den Kunstbetrieb, schließt die Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.05.2024
Etwas mehr "dramaturgische Straffheit", und Hari Kunzrus "Blue Ruin" könnte ein wirklich überzeugender Roman sein, glaubt Rezensentin Irene Binal. Im Grunde ist nämlich alles da: Kluge, erhellende Reflexionen über Kunst und Kunstschaffende, satirische Anspielungen auf die Kunstszene, überraschende Wendungen, interessante Charaktere, viel Humor und eine gute Geschichte über einen gescheiterten Performance-Künstler, der an Covid erkrankt auf seine Jugendliebe trifft und sich nun an seine wilde Zeit in London erinnert, in der er mit Hilfe von Drogen große Kunst schaffen wollte, aber nur "Sex und zerbrochenes Glas" produzierte. Das einzige Problem an diesem Roman ist seine "Zerfahrenheit", so Binal: Vor allem am Anfang zieht sich die Erzählung zu lange hin, spät erst wird deutlich, worauf sie hinaus will, dann erst nimmt sie an Tempo auf und überzeugt schließlich mit einem mutigen Ende, so die abwägende Rezensentin.
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