Traumatisierende Erfahrungen, beschädigte Lebensbedingungen und abwesende Väter charakterisieren die Situation und Entwicklung vieler Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs und in den folgenden Jahren ihre Kindheit verbracht haben. Die einführende umfassende Zusammenschau der Erkenntnisse verschiedener Disziplinen belegt den bis heute unzureichenden Kenntnisstand zum Schicksal dieser Altersgruppe. Auf der Basis der Auswertung von zehn Psychoanalysen 45 bis 60-jähriger Patienten verdeutlicht Hartmut Radebold das Ausmaß der Beschädigungen bis ins mittlere Erwachsenenalter - gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass auch in diesem Lebensabschnitt psychotherapeutische Hilfe sinnvoll und fruchtbar sein kann. Diskutiert werden darüber hinaus Fragen wie: Kann ein Kriegskind hinter der Couch Kriegskinder auf der Couch behandeln? Welche Entwicklungsmöglichkeiten bieten sich für so betroffene Patienten im Alter? Ist die Abwesenheit der Väter nicht auch als Chance zu verstehen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.11.2000
Der Leser erfährt in Tilmann Mosers Rezension, dass es hier um Väter geht, die eher innerlich abwesend sind: Kriegsheimkehrer, die krank, apathisch, unzugänglich gegenüber ihren Familien blieben. Welche psychischen Folgen dies für ihre Kinder hatte, die Nähe und Wärme vermissten, blieb lange Zeit nicht untersucht. Radebold, selbst ein Betroffener, hat bei diesen "Kindern" später oftmals "Leere, Resignation, Überarbeitung, Beziehungsstörungen" und andere Probleme ausgemacht und tritt mit Nachdruck dafür ein, wie Moser betont, dass auch die heute bereits schon relativ alten "Kinder" psychologische Hilfe in Anspruch nehmen können. Dass auch die Krankenkassen dieser Problematik heute offener gegenüber stehen, betrachtet Moser als ein wesentliches Verdienst Radebolds. Auch seiner Forderung nach aktiver Nachfrage bei "historischen Katastrophen im Hintergrund" kann der Rezensent offenbar zustimmen, auch wenn der Aurot sich damit von der "abwartenden Neutralität, die lange das Ideal der Analyse war", distanziert.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…