Der Psychoanalytiker Tilmann Moser stellt in seinen "Erinnerungen" seine persönlichen Erfahrungen als langjähriger Psychotherapiepatient in den Vordergrund. Sein Lebensweg ist - ausgehend von der Psychoanalyse - geprägt von der Auseinandersetzung mit verschiedenen Therapieformen wie Körperpsychotherapie, Traumatherapie, Atemgruppe, Fokaltherapie oder Gestalttherapie. Moser stellt die verschiedenen Ansätze vor und beschreibt deren Wirkungsweise anhand seiner eigenen Krankheitsgeschichte und seines Heilungsprozesses, der jedoch wiederholt zu scheitern schien. Sein autobiografischer Versuch, innere und äußere Vorgänge zu erhellen, sich selbst und anderen Rechenschaft abzulegen über seine seelische Erkrankung und deren Hintergründe und Geschichte sowie den Prozess des wiederholten Misslingens oder der allmählichen Heilung, ist das zentrale Anliegen Tilmann Mosers.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004
Ein "Remake", eine "zweite Version" jener Erfahrungen und Erlebnisse, die Tilman Moser in seinem Buch "Lehrjahre auf der Couch" 1974 beschrieben hatte, sieht Fritz Göttler in diesen "Psychotherapeutischen Erinnerungen". Moser gehe es um die "Inszenierung der Lehr-Analyse", vom Stühlerücken im Behandlungszimmer bis zu den Vorwürfen von Kollegen, die ihm als Verfechter der Körpertherapie in Zeiten des allgegenwärtigen Phantoms des sexuellen Missbrauchs entgegenbracht würden. "Von diesen Schatten", befindet Göttler, "erlöst sich der Autor durchs Spiel im Spiel der Analyse, durch die Momente der Lust an der Inszenierung". Mosers heutige Eigendiagnose erscheint Göttler "kühl". Eine Geistesverwandte entdecke der Psychiater Moser in dem Fräulein von Klettenberg aus Goethes "Wilhelm Meister". Deren Trauma nennt Göttler "das Trauma aller Traumata": "ein Intellekt ohne Körperbezug, analytisches Denken, das im Abstrakten bleibt".
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