Die Schatten der Vergangenheit reichen weit in der Familie Fux - von 1925, als zwei Brüder schon als kleine Jungen zu Soldaten erzogen werden und in den Dreißigerjahren entscheiden müssen, auf welcher Seite sie stehen, bis zum heutigen Tag. Ina, die Tochter des einen Bruders, entfremdet sich von ihrer Familie und ihrer Geschichte. Sie wird mit neunzehn schwanger und beschließt, ihre Tochter Floh trotz der fehlenden Unterstützung des Vaters alleine großzuziehen. Als junge Frau stellt Floh, angetrieben vom Zorn auf den unerreichbaren Vater, auf Staat und Gesellschaft, Recherchen über ihre Familie an. Was sie entdeckt und dass sie selbst schwanger wird, verändert alles. Die Geschichte droht sich zu wiederholen, doch Floh ist entschlossen, zusammen mit ihrem Großvater den Fluch des Gestern zu überwinden und nach dem zu suchen, was Familie trotz allem zusammenhält.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.04.2021
Rezensentin Petra Kohse findet es in Ordnung, dass Heike Dukens autobiografischer Roman über Nazi-Großeltern, lange Schatten der Geschichte und Vergebung nicht in einer Anklage endet, sondern in einem Appell für Verständnis. Schließlich kann Kohse gar nicht mit Sicherheit sagen, was an dem Buch autobiografisch ist, was nicht, und schon gar nicht, ob jemand schuldig geworden ist oder nicht. Dukens rasanten Stil, ihr Tonlagen-Gespür und dass die Geschichte eher szenisch erzählt wird, findet Kohse angenehm.
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