In Heiko Haumanns "Geschichte Russlands" stehen die Menschen und ihre Lebenswelten im Mittelpunkt. Schillernde Persönlichkeiten wie der falsche Dimitri, genannt der Lügenzar, Zar Iwan der Schreckliche oder der Wundermönch Rasputin finden ebenso Eingang in seine Darstellung wie die Großkaufleute Stroganow, die Sibirien kolonisierten. Die Vielschichtigkeit und Einflüsse der Erfahrungen und Initiativen, der Entwicklungen und Strukturen, der sozialen Bewegungen, Lebensformen und Wertvorstellungen werden ebenso deutlich wie die Spannungen zwischen Zentralismus und Dezentralisierung, zwischen Stadt und Land, zwischen Selbstverwaltung und Alleinherrschaft. So entsteht ein anschauliches Bild des Landes mit seinen zahlreichen Völkern, seinem unterschiedlichen territorialen Umfang und den verschiedenartigen staatlichen Ausprägungen, das nicht nur die Grundlagen des notwendigen Wissens vermittelt, sondern auch zur Überprüfung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2004
Auf die ewige Frage, wer das Subjekt der russischen Geschichte sei, antworten neuere historiografische Darstellungen nicht mehr, wie früher "Der Zar", sondern "Der einzelne Mensch", bemerkt der Rezensent Ulrich M. Schmid. Bei Heiko Haumanns "Geschichte Russlands", erklärt der Rezensent, handelt es sich um die revidierte und erweiterte Fassung der "maßgeblichen" ersten Ausgabe von 1996, die schon damals die "lebensweltliche Perspektive" in den Vordergrund der historiografischen Darstellung rückte. Neu hinzugefügt seien Kapitel etwa über "das Phänomen des Gottesnarren", oder über den kulturellen Konflikt zwischen Tschuktschen und Sowjetmacht. Haumann gelingt es, so der rundum zufriedene Rezensent, "das Exemplarische im Besonderen aufzudecken" und eine "übergreifende Darstellung" der russischen Geschichte zu liefern, "in der das Gegenwärtige als Gewordenes erkennbar wird".
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