Wie wenige andere politische Richtungen waren die protestantischen Konservativen Nord- und Ostdeutschlands von Wandlungen und Umbrüchen betroffen. Im Kaiserreich treten sie als Deutschkonservative und Freikonservative auf. Seit 1918 verbergen sie sich in der Deutschnationalen Volkspartei. 1929 zersplittert sich der konservative Teil der Gesellschaft in mehrere Parteien und Bewegungen. Die Abgrenzung von der NSDAP gerät halbherzig und misslingt schließlich. 1945 ist das Milieu in Teilen intakt. Es wagt einen politischen Neuanfang in der CDU. Die SED demontiert dann sämtliche konservativen Bastionen in der Gesellschaft. Gleichwohl sind weiterhin milieuhafte Verbindungen erkennbar, ziehen sich Kontinuitätslinien bis in die bürgerliche Blockpartei CDU, in die Ereignisse des Herbstes 1989 und die Vereinigungspolitik. Warum es zu diesen Umbrüchen kam, wird am Beispiel der Region und der Kleinstadt Greifswald untersucht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.12.2001
Der Autor des vorliegenden Buches hat die historische Entwicklungen des konservativen Milieus von Greifswald prägnant beschrieben, lobt Rezensent Damian Van Melis. Dessen Geschichte sei vor allem geprägt von "wertgebundenen Akteuren" (damit meint der Rezensent gesellschaftlich aktive Bäcker und Pfarrer), die sowohl für die "verheerende Demontage der Demokratie" als auch für "deren Wiedergewinnung 1989" verantwortlich gewesen seien, hat Van Melis gelesen. Der christliche Glaube spielte dabei eine besondere Rolle - viele Menschen hätten aus ihrer Konfession "politische Konsequenzen" gezogen. Dabei sieht der Autor bei den Konservativen Vorpommerns "wenig Kernsubstanz" - nur die Ablehnung der politischen Linken und eine positive Einstellung zur Religion hätte diese ausgezeichnet. Der Autor hat seinen Darstellungen eine "sozialwissenschaftliche Begriffsgeschichte" der Begriffe Milieu und Konservativismus vorangestellt, berichtet der begeisterte Rezensent und fragt "Kann ein gutgeschriebenes Lesebuch mehr bieten?"
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