Helmut Böttiger

Nach den Utopien

Eine Geschichte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur
Cover: Nach den Utopien
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2004
ISBN 9783552053014
Gebunden, 312 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Eine neue Generation deutschsprachiger Schriftsteller hat sich in den neunziger Jahren etabliert und sowohl die Literatur als auch das literarische Leben des vereinigten Deutschland wesentlich verändert. Helmut Böttiger wagt jetzt als Erster einen Überblick, der von der Wende bis in die Gegenwart reicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2004

Helmut Böttiger ist Literaturkritiker und insofern weiß er, vermutet Hannelore Schlaffer, um die Relativität aller Maßstäbe und die Schnelllebigkeit des Literaturbetriebss. Nur so kann sich Schlaffer erklären, warum Böttiger gleich von vornherein den von ihm behandelten Autoren nur 20 Jahre gibt. Insofern sei Böttigers Literaturgeschichte eher eine "Geschichte des literarischen Zeitgeschmacks", findet die Rezensentin, der eigentlich nur noch eine Gattung, nämlich den Roman, zulässt und sich ihrer Meinung zu sehr am Publikumsgeschmack ausrichtet, der vor allem eins will: Unterhaltung. Kein Wunder, dass Böttiger realistische Milieubeschreibungen bevorzugt und stilistische Kriterien ansonsten außer Acht lasse. Eine Ausnahme, so Schlaffer, bilde die "Ostmoderne", der sich Böttiger gegenüber sehr aufgeschlossen erweise. Einleuchtend, wenn auch nicht neu findet sie die Tatsache, dass Böttiger die "Gruppe 47" zum Kern einer Nachkriegsentwicklung macht, indem er das Werkstattgespräch zur Kommunikationsform und Basis der Gegenwartsliteratur erklärt. Zu einer Literaturgeschichte wachse sich diese Sammlung von Rezensionen trotzdem nicht aus, bemängelt Schlaffer, denn in diesem Fall hätte Böttiger die behandelten Bücher oder Autoren einer Prüfung seiner These unterziehen müssen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.05.2004

Zunächst erscheint es Michaela Kopp-Marx als begrüßenswert, dass Helmut Böttiger mit dieser Geschichte der Gegenwartsliteratur dem Verdikt von Heinz Schlaffer über die "Misere" der deutschsprachigen Literatur der Gegenwart entgegentritt. Eine gewöhnliche Geschichte mit durchgehendem "roten Faden" wird allerdings nicht geboten, stellt die Rezensentin klar. Der Autor versammelt vielmehr Autorenporträts, die er nach "fein assoziierten" Überschriften in "locker gefügten" Gruppen geordnet hat, erklärt Kopp-Marx, wobei sie angetan feststellt, dass Böttiger die Lektüre nicht durch Anmerkungen und einen ausladenden "wissenschaftlichen Apparat" verkompliziert hat. Allerdings attestiert sie dem Autor ein ziemlich "exklusiv-hermetisches Literaturverständnis", weshalb es sie nicht verwundert, dass Böttiger bei aller Vertrautheit mit "angesagter Literaturtheorie" mit den wichtigsten "Anliegen" der Gegenwartsliteratur so seine Schwierigkeiten hat. So ist auch Böttigers Bilanz des "bunten Treibens der Literaturindustrie" von Ablehnung geprägt, in denen er sowohl die "Selbstinszenierungen" der Schriftsteller, als auch die "Servicerezensionen" der Literaturkritiker verurteilt, so Kopp-Marx abschließend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.03.2004

Sehr angetan zeigt sich Rezensent Christoph Bartmann von dieser Geschichte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur in Einzelporträts, die der Literaturkritiker Helmut Böttiger vorgelegt hat. Zwar vermerkt Bartmann kritisch das Fehlen einer ganzen Reihe von namhaften deutschsprachigen Gegenwartsautorinnen und -autoren (wie Sebald, Hein, Maron, Kluge, Gstrein und Timm), für das Böttiger keine Erklärung gebe. Auch bietet Böttiger nicht den "heftig ersehnten Kanon" oder "Fingerzeige für ein Ranking der neuesten Literatur". Aber das kann Bartmanns positiven Gesamteindruck nicht trüben. Denn die Essays über Autorinnen und Autoren, mit denen Böttiger etwas anfangen kann, findet unser Rezensent einfach "klug und gut geschrieben". Wenn Böttiger das Abebben des literarisch-journalistischen Dandytums der späten neunziger Jahre mit dem Satz kommentiert: "Literatur ist eben mehr als bloße Medienkompetenz", stimmt ihm Bartmann ausdrücklich zu. Er hebt hervor, dass sich die Güte von Literatur bei Böttiger an der "Radikalität ihres Ich-Sagens" bemesse. Gefallen hat Bartmann insbesondere der "angenehm antimodische und literaturbetriebsferne Zug" des Buches sowie sein "langer Atem und eine Aufmerksamkeit", die nahen und fernen literarischen Gegenständen gleichermaßen gelte.

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