Aus dem Amerikanischen von Alexander Pechmann. Am Ende des Sommers 1846 macht sich Henry David Thoreau auf in den Norden. Was als Reise beginnt, mit Eisenbahn und Dampfschiff, setzt sich auf Pferd und Wagen, im Kanu und schließlich zu Fuß fort und wird nach und nach zu einer Expedition. Sein Ziel: "Der große Berg", 1606 Meter hoch, der höchste Punkt von Maine - Ktaadn, wie er in der Sprache der Ureinwohner heißt. Der Weg führt durch unkartiertes Gebiet, durch eine labyrinthische Landschaft von Seen und Flüssen und die ausgedehnten Wälder einer weitgehend unberührten und unwegsamen Natur. Die Grenzen menschlicher Lebensräume sind bald überschritten, es geht tiefer und tiefer in die Wildnis. Die letzten Zeichen der Zivilisation, vom Alkohol zugrunde gerichtete Indianer, die Spuren der Holzfäller und Pelzhändler, zeugen von Gier und Zerstörungswut.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2017
Ganz fasziniert liest Rezensent Uwe Ebbinghaus Henry David Thoreaus erstmals ins Deutsche übersetzte Reiseerzählung. Auf dem höchsten Berg von Maine stehend, erscheint ihm der Autor als großer Könner der Naturwahrnehmung. Nachdem sich Ebbinghaus durch den etwas zähen Bericht der Anreise gekämpft hat, folgt die dichte, laut Rezensent bisweilen "herrlich überdrehte" mythologische Beschreibung der Bachforellen, mit der sich der Autor in die Welt der antiken Dichter beamt. Für Ebbinghaus zeigt sich hier möglicherweise der wahrste Thoreau, einer, der zurücktritt hinter die teilnehmende Beobachtung und Schilderung der Natur. Davon lässt sich lernen, findet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.07.2017
Von den vielen Neuerscheinungen zu Henry David Thoreaus zweihundertstem Geburtstag interessieren Rezensentin Jutta Person vor allem die Schriften des Neinsagers selbst. In "Ktaadn" erlebt sie eine ganz andere Facette seines Schreibens, denn die Natur, die er am Mount Ktaadn erlebt, ist längst nicht so idyllisch wie der Waldensee, sondern "gewaltig, titanisch, unmenschlich". Dass sich Thoreau zwar in die Flucht schlagen lässt, aber trotzdem begeistert von der herrlichen Natur bleibt, beeindruckt die Rezensentin irgendwie. Freudig bemerkt sie auch, dass diesem Reisebericht Ralph Waldo Emersons "mythenbildender Nachruf" auf Thoreau angehängt ist.
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