Herman Koch

Odessa Star

Roman
Cover: Odessa Star
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2013
ISBN 9783462045598
Gebunden, 320 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Christiane Kuby. Fred Moorman ist Ende vierzig und träumt von einem schwarzen Jeep Cherokee und einem neuen Freundeskreis. Sein Leben ist zum Stillstand gekommen und ödet ihn an. Die Zeiten, als er sich noch Gedanken machte über den Sternenhimmel, über Lichtjahre und schwarze Löcher, sind definitiv vorbei. Heute redet er nur noch über tilgungsfreie Darlehen und CruiseControl. Auch für seinen inzwischen vierzehnjährigen Sohn ist er längst kein Held mehr, und seine Frau denkt laut darüber nach, wie ihr Leben aussehen würde, wenn er plötzlich tot umfiele. In dieser Midlife-Crisis trifft Fred zufällig Max G. wieder, einen alten Schulkameraden vom Gymnasium, der Fred durch sein aggressives, brutales Auftreten, seine schönen Frauen, seinen Bodyguard und seine Autos beeindruckt. Max G. hat scheinbar alles, was Fred nicht hat: Mumm, Durchsetzungsvermögen, ein schillerndes Leben. Fred sucht Max' Nähe und scheut sich auch nicht davor, ihn und seine kriminellen Freunde einzuspannen, als es darum geht, eine unliebsame Nachbarin aus dem Weg zu räumen. Doch dann wird Max G. in einer spektakulären Aktion vor einem Restaurant erschossen und die ungleiche Freundschaft der beiden erscheint in einem ganz neuen Licht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2013

Rezensent Wolfgang Schneider freut sich, dass Herman Kochs bereits vor zehn Jahren in Holland erschienener Roman "Odessa Star" nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt. In gewohnt zynischer und wunderbar ungemütlicher Manier erzähle Koch von einem höchst unzufriedenen Familienvater in der Midlife-Crisis, dessen Innenleben der Kritiker mit einem "Tarantino-Massaker" vergleicht und der sich von der Wiederbegegnung mit seinem kriminellen Jugendfreund Max G. die Flucht aus dem tristen Mittelschichts-Dasein erhofft. Auch wenn der Rezensent sich bei der Lektüre bestens amüsiert, muss er gestehen, dass die Gehässigkeiten und Geschmacklosigkeiten des Ich-Erzählers nicht so klug und nachvollziehbar beschrieben werden wie in den beiden Nachfolge-Romanen. Obwohl Schneider darüber hinaus auch Kochs Originalität vermisst, entdeckt er bereits in diesem frühen Werk das Talent des Autors für intelligent verwobene Erzählkonstruktionen und leise Andeutungen.
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