Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. In der Rotterdamer Kneipe "Zora s Place", einem Treffpunkt der ortsansässigen Fußballhooligans, wird hitzig diskutiert. Über Wilmer, der bei einer Hooliganschlacht von seinem Bruder mit einem Baseballschläger erschlagen worden ist. Über den Onkel der beiden, Hero Witlox, der anordnet, die Leiche auf einer Müllkippe abzulegen, weil Wilmer zur gegnerischen Truppe übergelaufen war und als Abtrünniger einer ordentlichen Bestattung nicht würdig ist. Und über Jolente, Wilmers Schwester, die sich mit aller Entschiedenheit gegen den Beschluß ihres Onkels auflehnt. Es ist das Antigone-Drama des Sophokles, das A. F. Th. van der Heijden aufnimmt, um vor den Augen des Lesers eine zeitgenössische Tragödie von archaischer Wucht ablaufen zu lassen. Kraftvoll, drastisch erzählt seine Novelle von einer Familie, die ihrem Verhängnis nicht entkommt, von einem Mann, der sein Leben auf Treibsand gebaut hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2008
Begeistert ist Dorothea Dieckmann von A. F. Th. van der Heijdens Buch "Treibsand urbar machen", einer im Hooligan-Milieu Rotterdams spielenden Bearbeitung des Sophokles'schen Antigone-Stoffes. Sie würdigt den Autor als "enfant terrible" der niederländischen Literatur, berichtet über seine Schreibwut und erklärt, dass vorliegendes Buch ein Nebenprodukt seines monumentalen Romanzyklus "Homo duplex" ist. In "Treibsand urbar machen" beweist Heijden in ihren Augen wieder einmal, dass er eben nicht nur die breite epische Form beherrscht, sondern sich auch auf "intensive Verdichtung" versteht. Wie der Autor das blutige Antigone-Drama in einer Rotterdamer Kneipe in Szene setzt, hat sie tief beeindruckt. Sie attestiert ihm, die Kneipensprache derart zu verdichten, "dass die klassische Tragödie eine ebenso brutale wie menschliche Nähe und Natürlichkeit annimmt".
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