Es ist für uns alltäglich geworden: Bilder von in Syrien ermordeten oder im Mittelmeer ertrunkenen Kindern, Aufmärsche von Rechtspopulisten, Billigkleidung aus den Händen unterbezahlter Näherinnen. Oft spüren wir den Wunsch, einfach nicht hinzuschauen, abzuschalten. Wir tragen dieses betretene Gefühl mit uns herum, und tun oft … nichts. Weil wir glauben, die Diskussionen lohnen doch nicht. Aber auch weil wir wissen, dass wir anecken und als Weltverbesserer verunglimpft werden. Wer kritisiert und sich engagiert, gilt schnell als naiv.
Es gibt viele Stimmen, die uns erklären, warum das Gute nicht getan werden kann - auch in unserem Kopf. Hilal Sezgin widerspricht ihnen und zeigt, warum es sich lohnt, Haltung zu zeigen - für eine tolerante, demokratische, gerechtere Gesellschaft und für uns selbst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.07.2017
Rezensent Harry Nutt lässt sich gern von seiner Kollegin Hilal Sezgin zum verantwortungsvollen Handeln auffordern. Denn die Autorin und Tierethikerin legt die moralische Messlatte für ihr Plädoyer einer Ethik der Verbundenheit nicht unüberwindbar hoch, sondern rät vielmehr zum Ausprobieren, versichert der Kritiker, der beruhigt nachliest, dass er auch scheitern darf. Soll man einen chronisch kranken Nachbarn im Krankenhaus besuchen oder könnte ihm seine Krankheit zu peinlich sein, fragt sich Sezgin etwa, erklärt der Rezensent, der hier zahlreiche Beispiele dieser Art gelesen hat.
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