Juli 1941 in einer Zelle des Gestapo-Gefängnisses in Wien: Der Oberrabbiner von Thessaloniki, der Wiener Rechtsanwalt Dr. Strauss und der Ich-Erzähler aus Zagreb teilen sich die bereits viel zu enge Zelle, als an einem Montag der polnische Physiker Dov Tarnopolski zu ihnen gebracht wird. Tarnopolskis Anwesenheit, seine Worte und Kräfte stellen ihre Vernunft auf die Probe, fordern ihr Denken, ihre Wahrnehmung und schließlich die geltenden Naturgesetze heraus. Er "zaubert" Zigaretten, Kuchen, einen Hahn, ein Radio hervor, er widersetzt sich den Aufsehern, und seine Ankunft wirft die Frage nach dem Schlüssel auf, der den Juden Europas die Freiheit bringen könnte. Eine erste Version des Romans ging in den Kriegswirren verloren. Im März 1945 floh Hinko Gottlieb nach Eretz Israel, rekonstruierte den Roman und übersetzte ihn selbst ins Deutsche.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.11.2023
Rezensent Martin Sander erzählt die Geschichte des kroatischen Juden Hinko Gottlieb und seines Romans von 1945. Der Roman über vier europäische Bildungsbürger jüdischer Abstammung, die 1941 in einem Wiener Gefängnis zusammentreffen und über das Dasein philosophieren, besticht laut Sander durch seinen magischen Realismus, der den grotesken Gefängnisalltag und die Diskussion über Freiheit und Gewalt gleichermaßen einfängt. Für Sander eine echte Wiederentdeckung.
Rezensent Martin Sander hält die Veröffentlichung von Hinko Gottliebs "eigenwilligem", autobiografischem Roman 75 Jahre nach seinem Entstehen für eine Entdeckung. Der kroatisch-jüdisch-deutsche Autor erzählt darin laut Sander von Unterdrückung und Freiheit im Angesicht des Krieges und des Holocaust. Indem er vier jüdische Bildungsbürger in einem Wiener Gefängnis über die Möglichkeit und Unmöglichkeit der Freiheit diskutieren und zauberische, fantastische Ereignisse einfließen lässt, beweist Gottlieb viel Sinn fürs Groteske, findet Sander.
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