Die selbsternannte "Kirche der Freiheit" steht schützend vor "Errungenschaften", "Mündigkeit", "Pluralität" und mag die dogmatischen Geschäftsgrundlagen, die der Augustinermönch der westlichen Welt vermacht
hat, nur noch ungern thematisieren.
Horst G. Herrmann hat diese Grundlagen gesichtet und beschreibt eine folgenreiche mentale und dogmatische Verschiebung: Ein schmerzinduzierendes Christentum (Schmerz über die objektive Verfehlung einer Nachfolge
Christi) wird in ein angstverbreitendes, egozentriertes, reformatorisches Christentum überführt. Mit Luthers "Großmachen der Sünde" und der Angst steht nun die Frage nach Einschluß oder Ausschluß, nach Himmel oder Hölle dringlicher denn je auf der Tagesordnung, während die imitatio Christi der Hermeneutik des Verdachts ausgeliefert
wird.
Die Reformation markiert einen eschatologisch aufgeladenen moral turn im Westen; die Verabschiedung einer Tugendethik durch uneingestandene Moralistik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2018
Friedrich Wilhelm Graf kann Horst Herrmanns kritischer Analyse der Reformation und ihrer Folgen nichts abgewinnen. Polemisch findet er Herrmanns Eindreschen auf die Wittenberger Glaubensrevolution. Dass Luther sogar an der Gewalt des IS Mitschuld tragen soll, möchte Graf dem Autor nicht abnehmen, die aufgezeigten Parallelen zwischen Luther und den Salafisten nimmt er eher mit Kopfschütteln zur Kenntnis. Was Herrmann über die Begründung des "Obrigkeitsstaates" durch den Wittenberger zu sagen hat, hat Graf anderswo prägnanter gelesen. Und Herrmanns Behauptung, Reformation und Ethik wären kein fruchtbares Paar, möchte er wiedersprechen. Wenn der Autor schließlich die orthodoxe theologische Linie als Alternative vorschlägt, erkennt Graf Widersprüche.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…