Ian Kershaw

Wendepunkte

Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg 1940/41
Cover: Wendepunkte
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2008
ISBN 9783421058065
Gebunden, 800 Seiten, 39,95 EUR

Klappentext

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs stellte die Regierungschefs der Welt vor lebenswichtige Entscheidungen. In London, Berlin, Washington, Rom, Moskau und Tokio mussten Politiker und Generäle weitreichende Beschlüsse fassen. Ian Kershaw nimmt zehn Entscheidungen, die für den Verlauf des Zweiten Weltkriegs von zentraler Bedeutung waren, in den Blick und macht deutlich, dass in diesem Kampf nichts vorherbestimmt war.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.01.2009

Als ”packendes Thesenbuch” mit vielen ungewöhnlichen Wendungen und Bewertungen feiert Rezensent Norbert Frei Ian Kershaws Buch über markante Eckpunkte des Zweiten Weltkrieges. An einer Serie von nur zehn, zwischen Mai 1940 und Dezember 1941 getroffenen ”fundamentalen Entschlüssen” folge es den Weichenstellungen des Krieges und seiner Ausbreitung zum Weltenbrand. Den Auftakt der Darstellung bilde die Übereinkunft des britischen Kriegskabinetts, sich nicht mit Hitler zu arrangieren. Kershaw kann seinen Rezensenten immer wieder mit Reflexionen und ”eleganten Gedankenspielen” über alternative Kriegsverläufe und Entwicklungsmöglichkeiten faszinieren - gerade weil Kershaw dicht an den Entschlüssen der unterschiedlichen Kriegsteilnehmer bleibt, und deren jeweilige historische Tragweite mit großer Disziplin und Sorgfalt diskutiere. In höchstem Maße überzeugt Frei auch die Darstellung der Konstellation Deutschland-Japan-USA nach dem Überfall auf Pearl Harbor. Meisterhaft findet Frei schließlich im letzten Kapitel den Weg von der systematischen Ermordung der sowjetischen Juden während des Russlandfeldzugs zur Entscheidung für eine ”Gesamtlösung” beschrieben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.01.2009

Historiker beschreiben die Geschichte im Wissen um ihren Ausgang. Dies kann den Eindruck einer Zwangsläufigkeit des historischen Verlaufs erwecken und den Blick für Zufälligkeiten und potentielle andere Verlaufsmöglichkeiten verdecken. Der britische Historiker Ian Kershaw wendet sich nun in einer Reihe von Fallstudien vor allem der ersten Phase des Zweiten Weltkriegs zu, indem er Weggabelungen der Geschichte und Schlüsselentscheidungen handelnder Akteure systematisch untersucht, die nahelegen, dass dessen Ausgang bis etwa 1943 offener war als es im Nachhinein erscheinen mag. Wie der Rezensent Ulrich Teusch hervorhebt, waren etwa die Fortsetzung des Krieges durch England und das Engagement der USA, aber auch der Angriff Japans auf die USA, durchaus nicht selbstverständlich. Geradezu verblüffend seien die Fehlentscheidungen einiger Handelnder, etwa die Ignoranz Stalins gegenüber der Möglichkeit eines deutschen Angriffs. Teusch hebt lobend hervor, dass Kershaw dabei nicht auf die Entscheidungen "großer Männer" fixiert bleibt, sondern auch strukturelle Faktoren im Blick behält und seine Studie aufgrund der sehr unterschiedlichen Konstellationen in einem Systemvergleich enden lässt. Der Rezensent bedauert lediglich einige Längen und Wiederholungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2008

Eingenommen zeigt sich Rezensent Rainer Blasius für Ian Kershaws Buch "Wendepunkte", in dem sich der Historiker mit zehn "Schlüsselentscheidungen" während des Zweiten Weltkriegs befasst. Er attestiert dem Autor, weitreichende Entscheidungen wie Churchills Entschluss, trotz der französischen Kapitulation weiterzukämpfen, oder Hitlers Entscheidung, die Sowjetunion anzugreifen, bestechend zu analysieren. Deutlich wird für ihn, dass alles auch ganz anders hätte kommen können. Besonders hebt Blasius die "brillante" Schlussbetrachtung über die Mächtigen der Anti-Hitler-Koalition in London, Moskau und Washington sowie der Hitler-Koalition in Berlin, Rom und Tokio hervor. Mit Lob bedenkt er auch die "packende" Darstellung Kershaws, der es in seinen Augen versteht, nicht nur zu "belehren", sondern auch "glänzend zu unterhalten".
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