Ist der Amoklauf Teil unserer westlichen Gesellschaft und was verbindet die Taten der jungen Todesschützen weltweit? Ines Geipel stellt fünf exemplarische Orte ins Zentrum ihrer vielschichtigen Recherchen - darunter auch die drei Amokläufe in Deutschland: Erfurt, Emsdetten, Winnenden. Junge Amokschützen lernen voneinander: Die "Schule des Tötens" erstreckt sich vom australischen Port Arthur bis zum norwegischen Utoya. Die drei deutschen Tatorte Erfurt, Emsdetten und Winnenden stellt Ines Geipel in den Kontext der weltweiten Geschichte des Amoklaufs und sie zeigt, wie diese neue Form der Gewalt aus der Mitte unserer befriedeten westlichen Gesellschaften herausbricht. Was treibt junge Amokläufer an? Warum sind Waffen noch immer so mühelos verfügbar? Wie schützt die Polizei, was klärt die Politik, wer ist für die Hinterbliebenen da? Unveröffentlichte Akten und Materialien, Gespräche mit Augenzeugen, Angehörigen und Experten geben tiefe Einblicke in den Amok-Komplex.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.04.2012
Zum zehnten Jahrestag des Amoklaufs von Erfurt hat sich Verena Mayer sehr interessiert mit Ines Geipels vergleichender Studie über Amokläufe befasst. Die These der Autorin, dass nämlich Amokschützen sich an Vorbildern orientieren und also jeder Amoklauf als "Blaupause" für folgende Täter verwendet wird, leuchtet der Rezensentin ein. Die Stärke des Buches sieht Mayer in der beeindruckenden Fülle der Quellen, die die Autorin herangezogen hat. Sie untersucht fünf Fälle und wertet dabei Polizeiprotokolle, das Waffenarsenal der Familie der Täter, deren Tagebücher und Lieblingsbeschäftigungen aus, so Mayer. Am meisten hat sie die Aussagen der Familien der Amokläufer gefesselt, denn bei Geipel wird erschreckend deutlich, dass es hier keinen Austausch über das Oberflächliche hinaus gab, meint die Rezensentin. Methodisch könne man dem Buch zwar vorhalten, dass es Schul-Amokläufe und Fälle von wahllosen Amokläufen auf öffentlichen Plätzen zusammenwirft. Für die Rezensentin aber sind diese Taten durchaus vergleichbar und es erschließt sich ihr hier eine "verblüffende" Ähnlichkeit der Fälle. Einzig dem "Furor" der Autorin, die sich mitunter in verquasten Verschwörungstheorien ergeht, kann Mayer überhaupt nichts abgewinnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2012
Ines Geipels Buch "Der Amok-Komplex oder die Schule des Tötens" ist für Michael Hanfeld eine packende Lektüre, die einen nicht mehr loslässt. Das Buch liefert seines Erachtens eine Fülle von Fakten, Recherchen und Einsichten über eine Reihe von Amokläufen der jüngeren Vergangenheit. Die Autorin untersucht für ihn nicht nur, was junge Männer zu Amokläufer macht, was sie antreibt, sondern auch, wie Sicherheitskräfte, Behörden, Politik und Gesellschaft reagieren. Geradezu sprachlos machen ihn die Recherchen über den Amoklauf von Erfurt, die das Versagen der Polizei und die jämmerliche Reaktion der Politik gegenüber den Opfern akribisch darstellen. Bisweilen fühlt er sich von der Faktenfülle ein wenig überfordert und auch einige manche Zusammenhänge scheinen fragwürdig. Dennoch hält er den "Amok-Komplex" für ein wichtiges Buch. Allerdings sieht er darin weniger ein Sachbuch als ein "Fanal".
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