Was geschah im 18. Jahrhundert mit Kindern, wenn sie erkrankten, verunglückten oder an einer Behinderung litten? Der Topos des ungeliebten, vernachlässigten Kindes verstellte lange Zeit den Blick auf die vormoderne Kindheit. Dabei belegen Krankenjournale, elterliche Bittschriften zur Spitalaufnahme ihrer Kinder, Gerichtsakten von Heilerprozessen oder Protokolle frühneuzeitlicher Ärztegremien, dass die Wahrnehmung behinderter und kranker Kinder mehrheitlich von einer starken emotionalen Zuwendung geprägt war. Ausnahmen bildeten Kinder ohne familiäre Anbindung, wie eine Analyse der Kinderversorgung in Waisenhäusern ergab. Im Normalfall jedoch genossen die Mädchen und Jungen eine aufwändige Pflege und Behandlung, sogar wenn die Familie mit ihren Einkünften kaum das eigene Überleben sichern konnte. Entsprechend attraktiv war es für Heilkundige, eine breite Palette verschiedener kindermedizinischer Therapien anzubieten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2009
In ihrem Buch "Sorgenkinder", räumt Iris Ritzmann mit der hartnäckigen Vorstellung auf, Kinder, insbesondere kranke und behinderte Kinder, seien in früheren Zeiten wesentlich schlechter behandelt worden als heute, stellt Martina Lenzen-Schulte zufrieden fest. Die Medizinhistorikerin hat für ihre Untersuchung des Umgangs mit kranken oder behinderten Kindern des 18. Jahrhunderts viele medizinische und amtliche Quellen sowie Bittschriften von Eltern für die finanzielle Unterstützung der Behandlung und Waisenhausakten ausgewertet, informiert die Rezensentin. Die Autorin kommt dabei zu dem Schluss, dass die Kinder überwiegend mit "inniger Zuwendung" und umfassender Versorgung rechnen konnten, auch wenn Ritzmann nicht müde wird, in "wissenschaftlicher Strenge" auf die Begrenzung der historischen Quellen hinzuweisen. Damit verhindere sie, dass die Schwarz-Weiß-Malerei in der Beurteilung der frühen Kinderbetreuung einfach nur in ihr "rosarotes Gegenteil" verkehrt wird, lobt Lenzen-Schulte sehr angetan.
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