In einer der größten Städte des christlichen Abendlandes, der Handelsmetropole Venedig, waren Schreiben und Lesen bereits im 11. und 12. Jahrhundert kein Vorrecht der Geistlichkeit mehr. Mehrere tausend venezianische Urkunden aus der Zeit vor 1200 lassen Elementarkenntnisse im Schreiben bei großen Teilen der Bevölkerung erkennen; untersucht werden der Umgang der Kaufleute mit Schrift, die Rolle der Schriftlichkeit im venezianischen Alltag sowie Schulen und Lehrer. Erstmals liegen mit dieser Studie detaillierte Erkenntnisse zum Alphabetisierungsprozess einer europäischen Großstadt des Mittelalters vor.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2003
Die alte These, dass im Mittelalter allein die Geistlichen lesen konnte, gilt als längst überholt, berichtet Dirk Schümer einleitend zu seiner Rezension von Irmgard Fees' Habilitationsschrift. Nur beweisen könnten die Historiker ihre Annahme schlecht, erklärt Schümer weiter, weil es an schriftlichen Quellen und Belegen mangele. Doch dort, wo reger Handel betrieben wurde, gab es auch schriftliche Abmachungen, und so dienen viereinhalbtausend venezianische Urkunden aus den Jahren 1000 bis 1200, auf denen Zeugen die verschiedensten Rechtsgeschäfte bekunden, der Historikerin Fees als Quellenmaterial. "Wie eine Grundschullehrerin", schreibt Schümer, sei Fees daran gegangen, die Autogramme auf Geläufigkeit der Schrift zu untersuchen: Wurde gekleckst, gewackelt oder in Schönschrift geschrieben? Fees' Geschichte der frühen Alphabetisierung zeichnet die Lebenswelt der Venezianer "mit berückenden Details" nach, schwärmt Schümer. Schon ab Mitte des 12. Jahrhunderts war zumindest der männliche Teil des venezianischen Handelsbürgertums schreib- und lesekundig, im fünfzehnten Jahrhundert dann war in ganz Venedig das Analphabetentum abgeschafft: Bildung, die der Markt gesteuert hat, wie Schümer nicht ohne Süffisanz anmerkt.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…