Seit der PISA-Studie ist unser Bildungssystem wieder einmal heftig umstritten. Welche Inhalte sollen vermittelt werden und in welcher Form? Ein Blick auf die Vergangenheit kann hier eine weitere Perspektive eröffnen. Denn bereits im Mittelalter wurden ähnliche Fragen diskutiert, etwa die nach dem Verhältnis von Glauben und Wissen oder die nach dem Nutzen der Tradition für den einzelnen und für die Gesellschaft. Das führte unter anderem dazu, dass neben die gelehrte lateinische Bildung mehr und mehr praktisches, anwendungsbezogenes Wissen trat. Martin Kintzinger führt im ersten Teil des Buches in die verschiedenen Felder des Wissens der mittelalterlichen Gesellschaft ein. Im zweiten Teil beschreibt er die Entwicklung von den frühen Klöstern über die Kathedralschulen und die neu entstehenden Universitäten bis hin zur Stadtkultur und den vielfältigen Interessen an den Fürstenhöfen. Zeitgenössische Abbildungen illustrieren den Band.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.12.2003
Michael Borgolte ist von dieser Geschichte der Bildung und des Wissens begeistert. Er lobt den Autor dafür, ein "gut lesbares" Buch über mittelalterliche Schulgeschichte geschrieben zu haben. Besonders lobenswert findet der Rezensent, dass sich der Autor Martin Kintzinger, der als Mediävist in Münster lehrt, nicht davor scheut, auch Bezüge zur Gegenwart herzustellen und hier eindeutig Position zu beziehen. Der Autor plädiere nämlich in seinem Buch auch für eine veränderte zeitgenössische Bildungspolitik und setzte sich für Schulen ein, die sich der "Erneuerung des Bildungsideals" verpflichtet fühlen, so der Rezensent zustimmend. Er lobt das Werk als weniger der "wissenschaftlichen Originalität" verpflichtet, als - in "bester essayistischer Manier", wie er bemerkt - der Verknüpfung von Geschichte und "Zeitkritik".
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