Mit Chronologietabelle und 4 Karten. Jeder, der bei den Hochkulturen Vorderasiens nur an Mesopotamien denkt, wird durch Hans J. Nissen eines Besseren belehrt: Er konzentriert seinen Blick nicht starr auf Mesopotamien. Die gesamte Region wird als dynamisches Gebilde, dessen Einzelteile in intensiver Abhängigkeit zueinander stehen, erfasst. Innerhalb eines Zeitraums von 8000 Jahren - von ihren Anfängen bis zum Ende durch die Kriegszüge Alexanders des Großen - zeichnet er die Entwicklung dieses Großraumes nach, dessen Außengrenzen und Machtschwerpunkte sich ständig verschieben. Der offene Blick auf den gesamten vorderasiatischen Raum wirkt dem traditionellen Bild einer mesopotamischen Hochkultur entgegen. Es wird deutlich, dass erst durch die Wechselbeziehung zwischen den Kleinregionen eine der ältesten Hochkulturen der Welt entstehen konnte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2000
Susanne Kolbus begrüßt das Buch als eine Früh-Geschichte des Vorderen Orients in mehr technisch-zivilisatorischer Sicht. Die "altorientalische Ideenwelt" komme bei Nissen dagegen eher zu kurz. Dass ein deutscher Historiker versucht, diese Geschichte zusammenfassend zu erzählen, findet die Rezensentin um so bemerkenswerter, als "interpretierende Literatur" zu diesem Zeitraum in der Regel eher von britischen, amerikanischen, russischen oder französischen Forschern komme, während die Deutschen mehr mit dem Sammeln von Fakten beschäftigt zu sein scheinen. Nissens Buch charakterisiert sie als eine Geschichte der Umstände, wie es in der "Wiege der Zivilisation" nach dem Sesshaftwerden der Menschen und der Anlage von Städten zur ersten Schrift kam. Dabei komme Nissen zu dem Ergebnis, "dass die Schrift viele Väter" hat.
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