Jackie Thomae

Glück

Roman
Cover: Glück
Claassen Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783546100465
Gebunden, 432 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Marie-Claire, kurz MC, bekannt als die gut gelaunte Stimme aus dem Radio, bekommt mit knapp vierzig von ihrer Frauenärztin diesen Satz zu hören: Sie hatten ein Vierteljahrhundert Zeit. Und jetzt ist es zu spät oder so gut wie. Die wichtigste Deadline des Lebens: verpasst. Den im Grunde einzigen Daseinszweck: verfehlt. Oder noch nicht? Denn als MC am nächsten Morgen aufwacht, ist sie zu ihrer eigenen Überraschung das erste Mal wirklich glücklich. Anahita ist eine wandelnde Erfolgsgeschichte: Senatorin mit nicht einmal vierzig, Medienprofi, in ein paar Jahren könnte sie in Brüssel sitzen. Doch etwas fehlt, auch wenn sich das niemand zu sagen traut. Eine Politikerin muss kompetent sein, und ist Mutterschaft nicht immer noch die wichtigste Kompetenz einer Frau? "Glück" ist ein Roman über Frauen unter Druck, über die Phase im Leben, in der sie zu alt sind, um noch länger warten zu können, und zu jung, um es hinter sich zu haben. Doch was wäre, wenn diese Phase sich künstlich verlängern ließe? Wenn die Frauen, wie die Männer schon immer, einfach noch Zeit hätten?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2024

Über ein schweres Thema weiß Jackie Thomae vergnüglich zu schreiben, lobt Kritikerin Katharina Teutsch. Die Rede ist von der Frage, ob man Kinder bekommen möchte, die die beiden Protagonistinnen Marie-Claire, Radiomoderatorin, und Anahita, Europaabgeordnete, mit Ja beantworten, doch bei beiden kommt die Schwierigkeit hinzu, dass sie schon Ende 30 sind, ohne einen passenden Partner in Sicht, erfahren wir. Teutsch kann sich dem kaum entziehen, wie Thomae die Kinderfrage mit der Machtfrage verknüpft und in sämtlichen möglichen Antworten "pointensicher" durchdekliniert. Dazu gehört auch der zweite Teil des Romans, der von einem fiktiven Medikament handelt, das die Menopause aufschieben kann - humorvoll, aber nicht platt, schließt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 20.09.2024

Rezensentin Meike Feßmann rät, die Messlatte nicht zu hoch zu hängen für Jackie Thomaes dritten Roman, dann bekommt die Leserin einen unterhaltsamen Text zum Thema Kinderlosigkeit. Was geschieht, wenn die Libido schwindet und wie die Kinderfrage Druck erzeugt als Waffe eingesetzt werden kann, das erzählt die Autorin laut Feßmann anhand zweier Frauen um die 40 und ihres beruflichen wie familiären Kontextes. Mitunter wirkt der etwas verplauderte und absehbare Text wie ein Thesenroman, kritisiert Feßmann. Überzeugend scheint er ihr bei den Nebenfiguren und durch die erschöpfende Darstellung der verschiedenen Aspekte des Themas.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.08.2024

Jackie Thomaes Buch spielt laut Rezensentin Verena Mayer in der Berliner Medien-Bubble und handelt von zwei Frauen, der Moderatorin Marie-Claire und der Senatorin Anahita, die beide keine Kinder haben. Diese Kinderlosigkeit wird, fasst Mayer die Handlung zusammen, zu einem Problem auch zwischen den beiden Frauen, die sich im Rahmen eines Interviews begegnen. Der Clou des Romans besteht laut Rezensentin in einem Science-Fiction-Twist, der allerdings für die Handlung kaum eine Rolle spielt: die Erfindung eines Medikaments, das es Frauen ermöglicht, auch jenseits der 40 schwanger zu werden. Das Buch zeigt laut Mayer auf, dass es oft weniger die Biologie als die Biografie ist, die verhindert, dass Frauen ihren Kinderwunsch verwirklichen können. Ein Buch, das, meint Mayer, die Macht des Geschichtenerzählens vorführt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.08.2024

Rezensent Rainer Moritz hat Jackie Thomaes dritten Roman gerne gelesen. Darin erzählt die Schriftstellerin von Frauen in ihren späten Dreißigern in einem Berliner Mittelkasse-Milieu, die vor der Entscheidung stehen, ob und wie sie ihrem Kinderwunsch nachkommen können - und das, so Moritz, an vielen Stellen klug und bewegend, ohne dass der Text manifestartig würde. Protagonistinnen sind die Rundfunkmoderatorin Marie-Claire, die im Verlauf des Romans zu einem absurden Kinderwunsch-Retreat am Mittelmeer reist, und die erfolgreiche Politikerin Anahita, die bei allen Sorgen auch noch den Wahlkampf durchstehen muss . U- oder dystopisch wird der Roman laut Moritz in seinem zweiten Teil, als ein neuartiges Mittel zur Verhinderung der Menopause entwickelt und getestet wird. Trotz eines gewissen Überhangs an Nebenfiguren und -geschichten kann der Rezensent diesen überwiegend nuancierten Roman zur Lektüre empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.08.2024

Jackie Thomae stellt in ihrem neuen Roman die Frage, ob sich Glück für Frauen nur erreichen lässt, wenn sie Kinder bekommen: Kritikerin Cornelia Geißler liest gerne von den Protagonistinnen Marie-Claire und Anahita, die diese Frage umtreibt. Mit "funkelndem Humor" schreibe Thomae über die beiden Frauen, von denen eine Moderatorin ist und die andere Berliner Senatorin, deren Wege sich bei der Kinderwunschbehandlung kreuzen und die beide irgendwann erkennen müssen, dass Glück im Kapitalismus weniger über Identität und hauptsächlich über Geld funktioniert. Geißler freut sich dabei über die Lässigkeit, mit der die Autorin von einem schwierigen Thema erzählt und ihre Erzählstränge zusammenbringt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.08.2024

Gern liest Rezensentin Berit Dießelkämper dieses gleichwohl auch deprimierende Buch über Mutterschaft; über die Frage, genauer gesagt, der sich kinderlose Frauen, die sich dem Ende ihrer biologischen Fruchtbarkeitszeitspanne nähern, zu stellen haben: doch noch Mutter werden oder nicht? In Jackie Thomaes Roman betrifft das zwei 39-jährige, die Radiomoderatorin Marie-Claire Sturm und die Politikerin Anahita Martini, beide leben in Berlin und haben eher romantische Vorstellungen, was Fortpflanzung betrifft. Sie gehen unterschiedlich mit dieser Situation um, die Moderatorin flüchtet sich in Metaphern, die Politikerin führt quälende Selbstgespräche, führt Diesselkämper aus, die sich für die Zeit auch mit der Autorin getroffen hat. Es geht unter anderem um die nie klar zu beantwortende Frage, ob der Kinderwunsch authentisch oder sozial vorgeben ist, außerdem werden eine Reihe weiterer Themen mit Bezug zu Mutterschaft verhandelt, zum Teil auch vermittels anderer Frauenfiguren, die im Umfeld von Sturm und Martini platziert werden: zum Beispiel Abtreibung, Gleichbereichtigung und auch, was es heißt, dass in Bezug auf Mutterschaft Biologie eben doch Schicksal ist, so die Kritikerin über dieses "traurig-schöne" Buch.

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