Die Alterung der Gesellschaft zwingt zur erneuten Auseinandersetzung mit den Grundlagen des Sozialstaates. Können die drängenden Probleme der demografischen Entwicklung noch mit dem Verweis auf Solidarität gelöst werden oder muss man Wohlfahrt neu konzeptionalisieren? Bisher wurde diese Frage allein mit Blick auf die Lage in Deutschland und den westlichen Staaten mit ähnlichem kulturellen Hintergrund diskutiert. Doch ein Vergleich mit Japan zeigt gänzlich andere Wege und Möglichkeiten auf. Am Beispiel der Pflegeversicherungen in beiden Ländern werden Ansätze und Strukturen verglichen und so verfestigte Wahrnehmungsmuster aufgebrochen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2006
Ein spezielles Buch für spezielle Leser. Doch wer sich für den Umgang mit der alternden Gesellschaft in Deutschland und Japan interessiert, soviel können wir Steffen Gnams Besprechung entnehmen, der kann hier etwas lernen. Gründe sind für Gnam der Umstand, dass der komparatistische Blick in Richtung Fernost eher selten ist und dass die Einführung der Pflegeversicherung in beiden Ländern (1995 bzw. 2000) diesen Blick durchaus nahe legt. Als These präpariert Gnam die Verortung des Ursprungs eines Wohlfahrtsstaates in Europa heraus und referiert Aspekte der Bevorzugung familiärer Altenbetreuung in Japan und ihre kulturellen Hintergründe. Wie die Autoren den Vergleich mit einem Text über das kommunale "Nürnberger Stift" und ein modellhaftes Altenheim im japanischen Fukuoka auf die Spitze treiben, findet Gnam "anschaulich" und "detailliert recherchiert".
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