Aus dem Amerikanischen von Ingo Herzke. West Virginia, 1970, ein Jahr und vier Rennen. Tommys Plan: Lass vier Gäule laufen, die besser sind, als sie aussehen. Mach einen hübschen Reibach und dich schleunigst aus dem Staub. Aber schon im ersten Rennen siegt das falsche Pferd. Dann taucht aus dem Nichts ein Rappe auf, der des Teufels ist und das Schicksal aller wendet. Jaimy Gordons Roman ist voller Rhythmus, Originalität und Hingabe. Sie erzählt von Trainern, Jockeys und Kredithaien - verletzten einsamen Bewohnern des amerikanischen Niemandslands. Doch so wie Tommys Freundin Maggie zu den geschundenen, aber schönen Pferden Zuneigung entwickelt, führt Gordon die ermatteten Hoffnungen jeder ihrer Figuren zum Ursprung allen Glücks zurück.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.06.2012
Einen etwas zwiespältigen Eindruck hat Jaimy Gordons Pferdesportroman "Außenseiter" bei Martin Halter hinterlassen. Zwar wirken Geschichte, Atmosphäre und Schauplätze auf ihn höchst authentisch. Auf jeder Seite spürt er, dass die Autorin auf einer Pferderennbahn gearbeitet hat und weiß, wovon sie schreibt. Zudem beeindruckt ihn die Kraft ihrer Sprache, deren "raue, widerspenstige Schönheit" auch in Ingo Herzkes Übersetzung spürbar ist. Aber trotzdem macht es der Roman seines Erachtens Lesern, die sich nicht so sehr für die Welt des Pferdesports, für Pferderennen und das halbmafiöse Drumherum interessieren, nicht gerade leicht. Außerdem trägt Gorden in ihrer Mischung aus "Milieustudie, Provinzkrimi, Wahnsinns-Rodeo und Ballade der sexuellen Hörigkeit" in seinen Augen teilweise ein wenig zu dick auf.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.06.2012
Bernadette Conrad schwärmt in den höchsten Tönen von diesem außergewöhnlichen Roman aus der Welt der Pferderennbahn, dessen Übersetzung durch Ingo Herzke, wie es scheint, viel zur Begeisterung beiträgt. Dieser Roman gilt der Rezensentin eigentlich als bester Beweis dafür, dass es bei einem gelungenen literarischen Werk nicht wirklich auf das Sujet ankommt, denn die Rennbahn ist eine sehr eigene Welt, in der die amerikanische Autorin aber ihren Bogen weit und existentiell spannt. Den deutschen Titel von "Lord of Misrule" findet sie sehr passend, denn Außenseiter sind irgendwie alle in diesem Kosmos aus gedopten Pferden, machtgetriebener Wettmafia und elend hausenden Pferdepflegern, in die die junge Maggie Koderer kommt, erfahren wir. Conrad räumt ein, dass sie sich nicht ohne Mühe auf den Duktus dieses Romans einlassen konnte, in dem in Sprechcodes, Andeutungen und abgebrochenen Sätzen kommuniziert wird. Dann aber eröffnet sich ihr eine "tief greifende Studie über menschliches Miteinander", die sie berührt und gefesselt hat.
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