James Canon

Der Tag, an dem die Männer verschwanden

Roman
Cover: Der Tag, an dem die Männer verschwanden
Ullstein Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783550087295
Gebunden, 396 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Sky Nonhoff. Man kann einfach nicht in Frieden leben. Als eines schönen Sonntags Guerilla-Kämpfer in Mariquita einfallen und den Frauen ihre Männer stehlen, ist der Jammer groß. Verlassen von Gott und Regierung droht Mariquita im Elend zu versinken. Bis Doña Rosalba viuda de Patiño, die Frau des ehemaligen Dorfpolizisten, genug hat von all dem Chaos um sie herum. Resolut betritt sie das verwaiste Rathaus, lüftet kräftig durch und verteilt die Arbeit. Und siehe da, über die Jahre entsteht ein weibliches Utopia, das, so will es die Ironie, genau der Gesellschaftsordnung entspricht, für die die Guerillas morden und plündern. Wenn nur das Problem mit der Zeugung von Nachkommen nicht wäre, doch auch dafür scheint bald eine Lösung in Sicht, möge Gott dem Priester seine Sünden vergeben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.10.2008

Abgründig und irgendwie faszinierend findet Rezensent Manuel Karasek diesen, aus seiner Sicht ”bemerkenswerten” kolumbianischen Roman, der die Geschichte des fiktiven Dorfes ”Mariquita” erzählt, wo eines Nachts alle Männer von Menschenfleisch verschlingenden Amazonen verschleppt werden. Die zurückbleibenden Frauen versuchen, das Leben in der Gemeinde aufrecht zu erhalten. Zunächst befremdet ihn angesichts der unheimlichen Geschichte der antipsychologische, ”schlichte Erzählton”, erscheinen ihm die Dialoge mit ihrem kindlichen Einschlag zunächst etwas hölzern. Doch bald erkennt er die geschickte Methode dahinter: nämlich den Stoff wie ein Märchen zu behandeln, mit einer ”banalen Oberfläche” anzutäuschen, um dann die Beschreibungen der Gewalt umso schockierender hervorbrechen zu lassen. Auch die zwischengeschalteten Reportagekapitel über Kindersoldaten oder Kriegskrüppel vertiefen den Eindruck, den das Buch, in dem Karasek auch einen homosexuellen Subtext ausmacht, auf ihn hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2008

Der Debütroman von James Canon hat Julia Bähr begeistert. "Der Tag, an dem die Männer verschwanden" ist in einem kolumbianischen Dorf in den Neunzigern angesiedelt, in dem eine Guerilla-Truppe sämtliche Männer eines Tages verschleppt und auf die Art ein Matriarchat installiert. Wie sich die Frauen nun im männerlosen Dorf einrichten und sich mit Problemen wie Sex, Fortpflanzung (im Ort ist nur ein Priester zurückgeblieben) und einer neuen Zeitordnung herumschlagen, hat der 40-jährige kubanische Autor in wunderbar absurden, hochkomischen Passagen in Szene gesetzt, schwärmt die Rezensentin. In diesen utopischen Gender-Roman stelle Canon allerdings immer wieder verstörende Episoden aus dem blutigen Bürgerkrieg, so Bähr weiter. Dass die Geschichte am Ende ins Märchenhafte gleitet, passt für die Rezensentin gut zu dem an beste südamerikanische Erzähltraditionen anknüpfenden Ton des Buches.

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