Kelly Howley

Geworfen

Cover: Geworfen
Ullstein Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783550081170
Gebunden, 336 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Simone Jakob. Auf den ersten Blick gibt es zwischen der Philosophin Kit und den Käfigkämpfern der Mixed Martial Arts keinerlei Verbindung. Doch dann verirrt sich Kit am Rande eines sterbenslangweiligen Phänomenologie-Kongresses zufällig in eine Arena. Die Beobachtung des Kampfes versetzt sie in einen Zustand geistiger Ekstase - Erkenntnis unter Umgehung des Denkapparats -, wie sie ihn bis dahin nur aus den Texten antiker Mystiker kannte. Sie ist fasziniert und beschließt, alles über diesen merkwürdigen, misstrauisch beäugten Sport zu erfahren. Sie taucht tief in die Szene ein und begleitet über drei Jahre lang die Kämpfer Sean Huffman und Erik "New Breed" Koch - der eine auf der Suche nach seinem letzten großen Kampf, der andere hungrig auf den Durchbruch.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.09.2016

Nicht alles findet Rezensent Manuel Gogos an diesem Roman-Essay plausibel, doch fasziniert hat ihn die Geschichte um eine junge Philosophin, die sich von einem Husserl-Kongress davonstiehlt, um ein paar echte Erfahrungen zu machen. Prompt gerät sie in die Welt der Mixed Martial Arts. Die Autorin Kerry Howley wisse sehr wohl, dass "der Kampf Mann gegen Mann", selbst in der Show-Version, im geschriebenen Text unzulänglich bleiben müsse, erkennt der Rezensent und traut ihr deswegen. Stark findet er die Charakterzeichnung ihrer realen Protagonisten, besonders beeindruckt ihn der Veteran Sean Huffman, dessen gelassenes Schweigen "frei von jedem Subtext" sei und bei der Philosophin-Erzählerin sofort "eine Welle des (Wohl-)Seins" auslöse. Auch wenn sich Gogos gerade zu der Erzählerin noch etwas mehr Stoff gewünscht hätte, schätzt er das Buch doch als unterhaltsames und  zugleich "erstaunlich tiefschürfendes Vexierspiel" um Existenzanalyse und Lebenskampf.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 25.06.2016

Dokufiction nennt man das wohl, was die amerikanische Autorin Kerry Howley hier unter dem Titel "Geworfen" veröffentlicht. Eine junge Philosophin langweilt sich auf einem phänomenologischen Kongress und landet beim Spaziergang in einem Mixed-Martial Arts-Wettkampf, der, wie alle diese Kämpfe, im Käfig geführt wird. Er löst bei ihr genau die "geistige Ekstase" aus, von der sie bei Schopenhauer, Nietzsche und Artaud gelesen hat. Künftig begleitet sie zwei Kämpfer und versucht den MMA-Kampf phänomenologisch zu deuten. Das besondere an dieser Geschichte, so Rezensent Harald Peters, ist die Mischung aus fiktiver Hauptfigur und realen Kämpfern und Kämpfen (findet man alles bei Youtube, versichert er). Aber ist das nicht alles etwas verkopft? Peters winkt ab: "wunderbares Debüt", versichert er.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.05.2016

"Irgendwie seltsam" findet Sophie Jung diese fiktional angehauchte Reportage von Kerry Howley über zwei Mixed-Martial-Arts-Kämpfer in den USA, mit der die Philosophin ihre Serie von Berichten über die drastischen Konkretionen der "amerikanischen Psyche" fortsetzt. Als Flucht vor dem theoretischen Elfenbeinturm in die Praxis ekstatischer Körperlichkeit handelt dieses Buch nicht zuletzt auch von der Autorin selbst, meint die Rezensentin, auch wenn Howley sich hinter einer tendenziell anonymisierten Erzählerinstanz zum Verschwinden zu bringen scheint. Die dabei glückenden Beobachtungen wirken auf die Kritikerin vital und intellektuell anregend, was nicht zuletzt daran liegt, dass Howley der kämpferischen Eleganz lange Zeit auch ästhetisch einiges abgewinnen kann. Doch die Reportage endet mit einem "Gefühl des Verlusts", warnt Jung: Der eine Kämpfer büßt im Zuge seines Erfolgs seine Eleganz im Ring ein, der andere wird zum Pizzabäcker.
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