Ausgewählt und aus dem Amerikanischen übersetzt von Jan Wagner. 1967 erschien die erste Gedichtsammlung des damals gerade 22-jährigen Studenten James Tate und sorgte für eine kleine Sensation in der amerikanischen Lyrikszene. Das fulminante Debüt "The Lost Pilot" und die zahlreichen folgenden Bände sind inzwischen längst zu Klassikern der amerikanischen Lyrik geworden, prägend für die nachwachsende Lyrikergeneration, zu deren unumstrittenen Helden Tate zählt. Tates Gedichte leisten, was Literatur im besten Fall zu leisten vermag, sie lehren, die Welt, die man meint, bis zum Überdruss zu kennen, neu zu sehen, und verleihen den im täglichen Umgang abgegriffenen Worten einen neuen Glanz. Mit unaufgeregter Selbstverständlichkeit entwirft Tate surrealistische Szenarien und unterwirft diese dabei der gewohnten Logik der Alltagserfahrungen. Oder er nimmt eine Alltagssituation und verwandelt sie mit wenigen sprachlichen Griffen zur unerhörten Begebenheit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.12.2004
Die Gedichte des Lyrikers James Tate eröffnen eine "rätselhafte, verworrene, manchmal beängstigende, manchmal erheiternde Welt voller Absurditäten und Paradoxien", stellt Jürgen Brocan fest. Zwar werde der amerikanische Lyriker gern mit dem Surrealismus in Verbindung gebracht, streng genommen aber fehlen die formalen surrealen Merkmale, betont der Rezensent, der in den "subtilsten Gedichten" Tates nur kleine, dabei umso verstörendere "Abweichungen von gewohnten Ordnungen" wahrnimmt. Tates Texte reflektieren die "vermeintliche Sicherheit" der alltäglichen Wahrnehmungen und artikulieren immer wieder Erfahrungen der "Entfremdung", erklärt Brocan. Er hebt den "virtuosen" Gebrauch der Umgangssprache in den Gedichten hervor und sieht darauf auch den großen Erfolg des Lyrikers in Amerika begründet. Nicht alle Verse lassen sich gleichermaßen gut ins Deutsche übersetzen, insbesondere wo der "literarische Kontext" fehle, könnten sie nicht immer ihre ganze "Wirkung" entfalten, räumt der Rezensent ein. Alles in allem aber finden sowohl die Auswahl als auch die Übersetzungen durch Jan Wagner sein Wohlwollen und er lobt den Band als "gelungenen Querschnitt" durch das Tatesche Werk.
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