James Wilson

Der Schatten des Malers

Roman
Cover: Der Schatten des Malers
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783458171287
Gebunden, 512 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Rita Seuss und Thomas Wollermann. London in der Mitte des 19. Jahrhunderts: Der wenig erfolgreiche Maler Walter Hartright erhält den Auftrag, eine Biographie über seinen berühmten, ein paar Jahre zuvor verstorbenen Kollegen William Turner zu schreiben. Der junge Mann nimmt den Auftrag an und beginnt zusammen mit seiner Schwägerin Marian Halcombe zu recherchieren. So sucht er die Orte auf, an denen Turner sich aufgehalten hat, befragt die Familie, Freund und Bekannte sowie die Feinde des großen Malers. Dabei stößt er auf ein Netz von Intrigen und Widersprüchen. Vor Hartright entfaltet sich ein Doppelleben, das sich zwischen Akademie und Kaschemme, Galerie und Bordell, Herrenhaus und Armenviertel abspielte. Je weiter ihn seine Ermittlungen führen, desto mehr verliert Hartright den Boden unter den Füßen. Schließlich kann er nicht mehr zwischen Turners Welt und seiner eigenen unterscheiden . So folgt er zwanghaft der dunklen Spur des Malers, bis er schließlich erkennt, dass er selbst das Opfer eines niederträchtigen Komplotts geworden ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2002

James Wilsons Roman "Der Schatten des Malers" hat Rezensentin Carina Villinger gut gefallen. Sie merkt an, dass Wilson für seine Geschichte um den wenig erfolgreichen Londoner Maler Walter und dessen Halbschwägerin Marian, die von Lady Eastlake beauftragt werden, eine Biografie Turners zu schreiben, auf Wilkie Collins' "The Woman in White" aus dem Jahr 1860 zurückgreift. In Walter und Marian lässt Wilson laut Villinger die beiden Collins-Figuren wiederauferstehen und spinnt so den Faden geschickt weiter. Minutiös recherchiert, bette der Autor die Handlung in die verschiedenen Schichten der Londoner Gesellschaft und zaubere die schmutzigen Hinterhöfe von Covent Garden und die verrauchten Spelunken Wappings mit der gleichen Sorgfalt hervor, die er den geschmückten Salons Lady Eastlakes widme, freut sich Villinger. Anhand der Recherchen von Walter und Marian gelingt es Wilson nach Ansicht Villingers, "den kontroversen Charakter des Lichtmalers in vielen Schattierungen" darzustellen. Doch als "eigentlichen Motor der Geschichte" erkennt sie das "spannungs- und facettenreich" entwickelte Psychogramm Walters, der an den scheinbar unvereinbaren Gegensätzen dieses fremden, faszinierenden Lebens zerbreche.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.10.2002

Zu oft bedient sich die Gattung des Künstlerromans der Elementen des Geheimnisses, der Psychologie, der Kriminalgeschichte oder des pathologischen Verdachts, um das Beunruhigende und Inkommensurable der Kunst zu vergegenwärtigen. So umreißt Rezensentin Katrin Bettina Müller die Problematik des Künstlerromans. Zu ihrem Bedauern tappt auch James Wilsons historischer Roman um den englischen Künstler William Turner in diese Falle. Zwar bescheinigt sie dem Kunsthistoriker Wilson, viel über den akademischen Kunstbetrieb des 19. Jahrhunderts zu wissen, wohl auch zu ahnen, dass die Absonderlichkeiten in der Lebensführung von Turner eine Reaktion auf den Dünkel waren, mit dem der alte Adel soziale Aufsteiger in ihre gesellschaftlichen Schranken weisen wollte. Doch spielt er dieses Wissen nach Ansicht der Rezensentin nicht wirklich aus. Stattdessen führt er als fiktiven Biografen Turners einen in diesen Dingen weitaus unbedarften, nicht sehr erfolgreicher Maler ein, der nach dem Tod Turners dessen Biografie schreiben soll. Was dabei herauskommt, überzeugt Müller nun ganz und gar nicht: eine Geschichte mit viel Nebel über der Themse, falschen Fährten, Intrigen, dunklen Abgründen, Wasserleichen und lasterhaften Kaschemmen. "Hätte Wilson mehr auf sein kulturhistorisches Wissen und weniger auf populäre Charaktere gesetzt", resümiert die Rezensentin, "wer weiß?" So aber ist der Roman eine recht triviale Angelegenheit geworden, urteilt sie.

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