Aus dem Dänischen von Andreas Donat. Frederiksberg, 1913: Auf dem Höhepunkt seines Ruhms bereitet sich der 70-jährige Maler Kristian Zahrtmann darauf vor, sein Meisterwerk zu schaffen: Adam im Paradies. Ein sinnliches Glanzstück soll das Gemälde werden, überquellend vor Motiven, Farben und Symbolen, im Zentrum ein schöner nackter Mann. Während Zahrtmann das Atelier seiner Villa mithilfe exotischer Pflanzen in den Garten Eden verwandelt und den jungen Soldaten empfängt, der ihm als Aktmodell dient, gleiten seine Gedanken zurück in die Vergangenheit - zu rauschenden Zusammenkünften der Kopenhagener Décadence; nach Italien, wo er in Civita d'Antino eine Künstlerkolonie gründete; und nicht zuletzt zu seinem ehemaligen Schüler und Modell Hjalmar Sørensen, an dessen Anmut er sich durch den jungen "Adam" erinnert fühlt … In ihrem Roman lässt Rakel Haslund-Gjerrild den dänischen Meistermaler als Ich-Erzähler auftreten. In neun Kapiteln - allesamt nach Werktiteln aus Zahrtmanns Oeuvre benannt - zeichnet die Autorin ein Porträt des Künstlers, das sowohl seiner lächelnden Wehmut als auch seinem feinen Humor Ausdruck verleiht. Die Erzählung wird durchbrochen von historischen Dokumenten über die Sittlichkeitsprozesse der Jahre 1906/07, als in Dänemark Homosexuelle verfolgt und einige (darunter der Schriftsteller Herman Bang) aus dem Land vertrieben wurden - ein Kunstgriff, um Zahrtmanns nie eingestandene Homosexualität zu spiegeln, der aber nie das Sprachkunstwerk in den Hintergrund drängt, das Signatur und emotionaler Motor des Romans ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2023
Kristian Zahrtmann ist ein dänischer Künstler, den hierzulande kaum jemand kennt, der aber nun zum Thema eines Romans der jungen Dänin Rakel Haslund wird, erzählt Rezensent Peter Urban-Halle. Sie widmet sich dabei weniger der Kunst als der vermuteten Homosexualität des Malers, die damals noch unter Strafe stand. Spannend findet Urban-Halle, wie die Autorin historische Zeitdokumente vom Beginn des 20. Jahrhunderts einflicht, darunter Schriften, die den schwulen fabelhaften Autor Herman Bang schmähen und verteidigen. Noch besser gefällt dem Kritiker, wie plötzlich Zahrtmanns Haushälterin kurz zur Hauptperson des Romans wird, eine dreißigjährige Witwe und Mutter, die bei einem Abendessen aus sich herausgeht und - zum Missfallen Zahrtmanns - über ihre Wünsche und Ängste spricht. Sie verschwindet dann wieder aus dem Buch, aber auf den Kritiker hat sie einen größeren Eindruck gemacht als der Maler, der ihm doch ein wenig zu oberflächlich und "versacesk" ist.
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