Aus dem Englischen von Barbara Schade. Tilman Becker, Enkel deutscher Auswanderer, kennt die Hügel von Vimy, auf denen fünfzehn Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs ein monumentales kanadisches Kriegerdenkmal entsteht. Als junger Soldat hat er dort ein Bein verloren. Zu einigen Gefallenennamen, die sein Freund Giorgio in den Sockel der Gedenkstätte meißelt, hat er noch die Gesichter vor Augen. Und er fürchtet das weit verzweigte System von Tunneln unter dem Denkmal, in dem sich Giorgio und Tilmans Schwester Klara bei Anbruch der Dunkelheit treffen. Klara hat die gemeinsame Fahrt nach Frankreich mit großer Resolutheit durchgesetzt, um an dem Denkmal mitzuarbeiten. Sie wird von dem Wunsch getrieben, ihrem in Frankreich gefallenen Verlobten nahe zu sein, dessen Verlust sie nie verwunden hat. So entwickelt sich die körperliche Arbeit an den steinernen Plastiken für die Geschwister zur Arbeit an der eigenen Vergangenheit - einer Vergangenheit allerdings, die weit über den Krieg hinausreicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.07.2003
In Kanada, meint Ulrich Baron, gibt es "viele Ereignisse und Charaktere", mit denen man Romane füllen könnte. Ob sich aber gerade Bildhauer als Protagonisten eignen, scheint er zu bezweifeln. Im Buch der kanadischen Autorin Jane Urquhart jedenfalls vermisst er die "literarischen Qualitäten", die die Vielfalt der Begebenheiten über drei Generationen hinweg interessant machen würden. Tragische Ereignisse wie der Krieg oder das "entbehrungsreiche Leben" der kanadischen Siedler werden nur angedeutet, moniert der Rezensent, was bleibt ist "Ausstattung". Insofern sei der Roman wohl als "viktorianisch" zu bezeichnen, wie Baron spöttelt. Und dass die Bildhauerin einem Denkmal die Züge ihres im Krieg verschollenen Geliebten einmeißelt, hält er für "monumentalen Kitsch".
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