Aus dem Niederländischen von Christiane Kuby. Diese Begebenheit ist so unerhört wie wahr: 1915 sticht die Noordster, ein Schiff, das als der "Irrenkutter" in die Geschichte eingehen wird, in See. Zur Besatzung gehört auch Arend Falkenier, ein tiefreligiöser Mann, der seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs göttliche Zeichen empfängt. Sie bedeuten ihm, dass das Ende der Zeiten nahe sei und ihn, Arend, eine große Aufgabe erwarte. Auf dieser Fahrt schlägt seine Frömmigkeit in Wahn um. Dem charismatischen Matrosen gelingt es, die Besatzung des Kutters davon zu überzeugen, sie seien Auserwählte des Herrn, die nun auf Jerusalem Kurs nehmen müssen...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2002
Dass dem im Roman beschriebene Vorfall tatsächlich stattgefunden hat, weiß man, so Rezensent Sebastian Domsch, und ebenso sicher sei, dass er einer strengen Geheimhaltung durch die Behörden unterlag: freie Bahn also für die Phantasie des Autors, der sich die Geschichte eines holländischen Fischerboots und seiner Besatzung vorknöpft, die sich zur Zeit des Ersten Weltkrieges in ein Weltuntergangsgefühl und in religiösen Wahn hineinsteigert hat, mit teilweise tödlichen Folgen. Haasnot wisse den richtigen Tonfall zu treffen, lobt der Rezensent: zwischen Seemannsgarn und Charakterstudie des falschen Propheten an Bord, alles in der Rückblende und aus Sicht des Stadtschreibers erzählt. Etwas unbehaglich ist dem Rezensenten allerdings zumute, wenn der Autor zuviel von der Moral seiner Geschichte durchblicken lässt: überdeutliche Hinweise auf die Verführbarkeit der Menschen findet Domsch fehl am Platz, zumal den Beteiligten durch einen - von Domsch nicht verratenen - erzählerischen Trick ein Teil ihrer Schuld abgenommen werde. Eine Entlastung seitens des Autors, die Domsch kritisch sieht.
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