Aus dem Amerikanischen von Barbara Heller. April 2018: Die JanHus 1, das erste Raumschiff in der tschechischen Geschichte, erhebt sich in den Himmel. Eine ganze Nation ist auf den Beinen, um den Start vom staatseigenen Kartoffelacker aus mitzuverfolgen. Die Besatzung besteht aus einem einzigen Raumfahrer: Jakub Procházka, Spross einer Kollaborateursfamilie und Professor für Astrophysik mit einschlägiger Erfahrung in der Erforschung interstellaren Staubs. Nach dreizehn eintönigen Wochen im All ist der Forscherdrang Jakubs jedoch beinahe erloschen. Einziger Lichtblick sind die wöchentlichen Video-Chats mit seiner Frau Lenka. Doch als die ihn verlässt, gerät Jakubs Leben im Orbit in Schieflage. Und als wäre das nicht genug, schleicht sich auch noch ein haariger, achtbeiniger Mitbewohner in Jakubs Raumschiff ein.
Katharina Granzin geht gelassen um mit einer gewissen Unfertigkeit des Debütromans von Jaroslav Kalfar. Dass am Ende mancher Erzählfaden lose im Raum hängt und die Gewichtung der Geschichten nicht überzeugt, nimmt sie dem Autor nicht übel. So herrlich temporeich ist die Fahrt, die der Text aufnimmt, so viele lesenswerte Geschichten reißt der Autor an, meint sie, gesellschaftliche und emotionale Verwerfungen im Postkommunismus, teils autobiografisch, teils fantasiert. Die tollkühne Story vom ersten Tschechen im All, erklärt Granzin, wird schließlich sogar zur bloßen Metapher einer Liebesentfremdung, und was der Leser über die familiäre Abrechnung mit dem kommunistischen Gewaltregime erfährt, kafkaesk und tragisch, so Granzin, mündet in eine allzu glatte Auflösung. Lesenswert ist das für die Rezensentin allemal.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.09.2017
Rezensent Burkhard Müller verliert sich ein wenig in Jaroslav Kalfars Debütroman über einen böhmischen Weltraumreisenden. Weil der Text sich laut Müller nicht zwischen slapstickhaftem Schelmenroman, Heldengeschichte und Geschichtserzählung über die Tschechoslowakei entscheiden kann, gerät der Erzählfluss noch vor der Mitte des Ganzen ins Stocken, warnt er. All die schönen Turbulenzen der Handlung, die vom Landleben ostmitteleuropäischer Kleinbauern genauso wie von Laika dem Weltraumhund und anderen Aliens berichten, kann Müller da nicht so recht genießen.
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